N°3DEBATTE | 27.02.20

Der unvermeidbare Kandidat

Mit seinen jüngsten Erfolgen konnte der demokratische Sozialist Bernie Sanders seinen Favoritenstatus bei den Vorwahlen der Demokratischen Partei festigen.

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VON TYMA KRAITT

Tyma Kraitt ist Redakteurin des TAGEBUCH.

Es ist kein Geheimnis: Das demokratische Establishment will Bernie Sanders stoppen. Nur weiß es nicht mit wem. Während sich das progressive Lager um den Senator aus Vermont scharrt, sind die moderaten Demokraten gespalten. Ihre Stimmen verteilen sich auf mehrere Kandidaten wie Joe Biden, Pete Buttigieg oder den einstigen Republikaner Michael Bloomberg.


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Keine Frage, Sanders profitiert von der Fragmentierung seiner politischen Gegner. Der ursprünglich aussichtsreichste Kandidat Joe Biden musste gleich zu Beginn der Vorwahlen blamable Niederlagen wegstecken. Von
Bidens Schwächeln profitierte wiederum der 38-jährige Pete Buttigieg, der neue Superstar des Establishments. Doch der mediale Hype um den ehemaligen Bürgermeister aus dem Bundesstaat Indiana ist übertrieben. In landesweiten Umfragen dümpelt er noch immer knapp über dem einstelligen Bereich. Seine McKinsey-geschulte Rhetorik mag zwar bei älteren weißen Wählern gut ankommen, bei Latinos und Afroamerikanerinnen blitzt der aalglatte Buttigieg völlig ab. Und genau das ist sein Problem: Die demokratische Basis ist äußerst divers, mehr als ein Drittel der Primary-Stimmen kommt von nicht-weißen Wählerinnen. Wer diese Menschen nicht überzeugen kann, hat schlicht keine guten Karten. Da können auch die großzügigen Spenden von 40 Milliardären nicht aushelfen.

Apropos Milliardäre: Für einen davon war die demokratische Parteiführung sogar bereit, die Regeln bei den wichtigen TV-Debatten zu ändern, um seine Teilnahme zu ermöglichen. Gemeint ist Michael Bloomberg. Dank seiner schier endlosen Ressourcen liegt er nun ganz ohne Wahlkampf und einzig durch kostspielige PR in manchen landesweiten Umfragen bei 15 Prozent. Ob Bloomberg Sanders’ Erfolgskurs aufhalten kann, ist zu bezweifeln. Sein Antreten schadet eher den moderaten Kandidaten wie Joe Biden.

Es scheint, die Ausgangslage könnte für den demokratischen Sozialisten nicht besser sein. Für großen Jubel ist es aber zu früh. Der Sanders-Kampagne gelang es, junge Menschen, Migrantinnen und Unabhängige zu mobilisieren, allerdings nicht in dem Ausmaß, das für deutlichere Ergebnisse nötig gewesen wäre. Ohne eindeutige Mehrheitsverhältnisse wird eine Contested Convention, eine Kampfabstimmung, immer wahrscheinlicher. Gelingt es Sanders dagegen, in den kommenden Wochen zum Durchmarsch anzusetzen, wird es für das demokratische Establishment schwer, seine Kür zum Herausforderer Donald Trumps noch zu verhindern.

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