N°7/8DEBATTE | 01.07.21

Wie wir (vielleicht) nicht untergehen 

Gegen die linke Lust am Autoritären und für emanzipatorische Strategien in Zeiten der sich zuspitzenden ökologischen Krise. Eine Replik auf Nikolaus Dimmel und Alfred J. Noll.

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VON ULRICH BRAND

Ulrich Brand ist Professor für Internationale Politik an der Universität Wien. Der Autor dankt Mathias Krams für hilfreiche Anmerkungen zu diesem Beitrag.

Illustration: Lea Berndorfer

In ihrem Beitrag »Wie wir untergehen« (TAGEBUCH NO 5) plädieren Nikolaus Dimmel und Alfred J. Noll angesichts der sich zuspitzenden ökologischen Krise und insbesondere der Klimakrise für einen direktiven, ja autoritär agierenden Staat als einzige Möglichkeit gegen die anstehenden sozialen Verwerfungen und weitere Naturzerstörungen. Dieser Staat müsse eine globale Kostenwahrheit herstellen, Umwelt- und Energieverbrauch demokratisieren, entsprechende Gesetze und Verbote schaffen sowie die Überwachung und die soziale Kontrolle verbessern.

Der Beitrag verweist schonungslos auf die aktuell unzulänglichen politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bemühungen, die ökologische Krise zu bearbeiten. Und er ist angetrieben von Wut, nämlich Wut auf die Grünen und die »bemühten Öko-Engagierten«.

Tatsächlich agieren die grünen Parteien – zumal in Regierungen – zwar durchaus im Sinne eines ökologischen Umbaus, doch verbleiben diese Ansätze viel zu oft im Korridor von ökologischer Modernisierung und »Marktlösungen«. Wirtschaftliche Macht und Interessen werden in der Regel nicht thematisiert, geschweige denn angegangen. Die österreichischen Grünen sind ein gutes Beispiel dafür. 


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