N°11| KULTUR | 03.11.21

Belinda Kazeem-Kamiński: Die Lust am Schauen umkehren

________________________

VON CHRISTINA TÖPFER

Christina Töpfer ist Chefredakteurin von Camera Austria International.

Wie auch in anderen Arbeiten ihres multimedialen Projekts Voids (2017–2021) beschäftigt sich Belinda Kazeem-Kamiński in der 26-teiligen Serie You are awaited but never as equals (2021) mit den Umständen rund um die Ankunft einer Gruppe westafrikanischer Performerinnen und Performer 1896 in Wien. Nachdem sie in Budapest aufgetreten war, reiste die aus dem heutigen Ghana stammende Gruppe per Schiff nach Wien und wurde dort in einer »Völkerschau« ausgestellt. Zahlreiche Wiener wollten sich ihre Ankunft nicht entgehen lassen. Doch handelte es sich hier nicht um den Empfang von Ebenbürtigen – die Gruppe aus Westafrika war den objektivierenden Blicken der Weißen ausgesetzt. 

Als Ausgangsmaterial nutzt Kazeem-Kamiński eine von der k. u. k. Hof- und Universitätsbuchhandlung R. Lechner aufgelegte historische Ansichtskarte sowie Fotografien, welche die Situation dokumentierten. Aus der Vogelperspektive wurde darauf festgehalten, wie die Gruppe nach ihrer Ankunft an der Wiener Weißgerberlände aus dem Schiff heraustritt. Als handele es sich um einen »Laufsteg«, ist das Ufer von Schaulustigen gesäumt. Kazeem-Kamiński reproduziert aber nicht die Ausstellung der schwarzen Körper. Stattdessen zoomt sie in 26 Bildern in die Postkartenmotive hinein und konzentriert sich auf die weißen Beobachterinnen, fokussiert auf das Drängen der Anwesenden ob des »Spektakels«, die interessierten Gesichter, die exotisierenden Blicke.

Belinda Kazeem-Kamiński, You are awaited but never as equals, 2021, aus dem Projekt: Voids, 2021. Diashow, 26 SW-Dias, Größe variabel.

WÖRTER: 312

LESEZEIT : 2 MINUTEN

Lesen Sie diesen Artikel jetzt weiter: