N°5KULTUR | 27.04.20

Manchmal weinen 

Protokoll eines erzwungenen Frauenlebens in Äquatorialguinea.

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Aufgezeichnet von Trifonia Melibea Obono

Illustration: Christoph Kleinstück

 Dieses Lebenszeugnis stammt aus Trifonia Melibea Obonos Buch Yo no quería ser madre. Vidas forzadas de mujeres fuera de la norma und erscheint hier mit freundlicher Genehmigung des Verlags Egala (Barcelona und Madrid). Aus dem Spanischen von Erich Hackl.

Die Leute haben mir schon als Kind zu erkennen gegeben, dass ich anders bin, und mein Verhalten entsprechend kommentiert. Wenn wir als Kinder Vater-Mutter-Kind spielten, wollte ich nie die Mutter sein. Denn dann fassten mich die Jungen an, und das war mir nicht recht. Andererseits, wenn ich den Vater spielte, schauten mich die Großen so komisch an. 

Jetzt bin ich siebenundzwanzig. Seit meinem zwölften Lebensjahr wurde ich von meinem Stiefvater kontrolliert. Die erotischen Spiele der Minderjährigen, wenn sie in die Pubertät kommen, du weißt schon; sooft jemand von meiner Familie in der Nähe war, habe ich mich verstellt. Sie kam trotzdem dahinter, als ich mich mit einer Frau, so um die dreißig, aus der Nachbarschaft einließ. Daraufhin wurde ich sofort zu einer Medizinfrau gebracht. Sie stellte fest, dass ich von einem männlichen Geist besessen sei. Dieser Geist habe von meinem Körper Besitz ergriffen, um durch ihn mit Frauen zu verkehren. Deshalb müsse er mir ausgetrieben werden. Damit ich wieder normal werde, eine anständige Frau, die sich zu Männern hingezogen fühlt. Die Medizinfrau schnitt mir mit einem Messer Zeichen in die Haut, auf dem Rücken und an den Füßen. Sie sollten bewirken, dass ich nicht länger Frauen begehre.

Meine Familie hat mich im Lauf der Jahre zu den meisten Wunderheilerinnen – Frauen wie Männern – in Äquatorialguinea geschleppt. Alle waren fest davon überzeugt, dass ich besessen bin. Und alle haben mir solche Zeichen in die Haut geschnitten, denn mein Blut müsse geopfert werden, um mich zu reinigen. Du kannst dir nicht vorstellen, wie weh das tut! Ich erinnere mich, dass ich geschrien habe, sie sollten damit aufhören. Je lauter ich schrie, umso fester zogen sie die Stricke an, mit denen sie mich an Eisenstangen banden. Aus meinem Verhalten schlossen sie, dass nicht ich die Schreie ausstieß, sondern der Mann, von dem ich besessen war, deshalb waren ihnen meine Schmerzen einerlei.

Aliga ta pepe, das sind die Kerne einer trockenen Frucht. Man verwendet sie für Medikamente. Die Medizinfrau kaute sie, dann spuckte sie mir den Saft in die Augen. Das brennt höllisch. Ich erinnere mich, dass sie mich vorher festgebunden und meine Lider auseinandergezogen hatten. Eine Medizinfrau aus der Ndowé-Ethnie und ein Medizinmann, der in der Nähe der Kakaoplantage von Sampaca praktizierte, benutzten die gleiche Methode.

Zwischen meinem elften und meinem zweiundzwanzigsten Lebensjahr wurde ich von einer Medizinfrau zur nächsten, von einem Medizinmann zum nächsten geschleppt. Sooft ich mich in ein Mädchen verschaute, sooft ich es unterließ, meinen Schwestern zu versichern, wie toll es sei, mit Männern ins Bett zu gehen, sooft ich gegen die Stammessitten verstieß – schon wurde ich wieder in eine Quacksalberei gebracht. Dort erwartete mich der Bubibesen. Er ist ein traditionelles Instrument der Bubikultur, der die bösen Geister verscheuchen soll. Sie schlugen mich damit, vor allem auf den Rücken und die Fußsohlen, so lange, bis ich beschloss, die Schmerzensschreie zu unterdrücken. Es war die einzige Möglichkeit, die Folter zu beenden. Danach war meine Haut wund.

Ehrlich gesagt war mir gar nicht bewusst, wie mir geschah. Wenn deine Angehörigen sagen, dass du besessen bist, wirst du als Zwölf- oder Sechzehnjährige nicht widersprechen, jedenfalls nicht in Guinea, wo die Familie über dein Leben bestimmt. Du glaubst an sie, sie sind deine Mutter und dein Vater und deine Ahnen, und in der Kultur der Bubi ist der Fluch der Mutter allmächtig. Meine Mutter erinnerte mich daran, dass sie die Macht habe, mich zu verstoßen, wenn ich nicht gehorchte. Als sie es mir androhte, begann ich vor Angst zu zittern.

Auch die Pastoren einiger Sekten wollten mich heilen. Sie stellten die gleiche Diagnose wie die Medizinfrauen, waren allerdings überzeugt davon, dass der männliche Geist in mich verliebt und auf mich eifersüchtig sei, weil ich mich zu Frauen hingezogen fühlte, und dass er deshalb Besitz von meinem Körper ergriffen habe. Einerseits also die Auffassung der Wunderheiler, dass mir die Frauen im Grunde gar nicht gefielen, weil eine solche Veranlagung in Afrika fremd sei, und dass mein Körper von einem Geist besessen sei, den man mir sofort austreiben müsse. Andererseits der Pastorenglaube, dass ich, da mir die Frauen gefielen, den Geist eines weißen Mannes in mir tragen müsse. Am liebsten wäre ich tot gewesen. Ich fragte mich, in welchem Augenblick der Geist in meinen Körper gefahren sei.

In den Kirchen praktizierten sie an mir den Exorzismus. Ich fing an, mich mit einer Rasierklinge selbst zu verletzen. Das Blut … ich konnte nicht aufhören, bis es über meinen Körper lief. Die Priester und ihre Gläubigen beteten für mich, in voller Lautstärke. Die Medizinfrauen schrien auch die ganze Zeit. Seit damals macht mich jedes Geschrei krank. Der Lärm macht mich krank.

Einmal zeigten sie mir ein Video, auf dem man den weißen Mann in meinem Körper sprechen hörte. Es war nicht meine Stimme. Ich wusste nicht, was ich davon halten sollte, ob es wahr war oder eine Fälschung. »Dieses Mädchen trägt den Satan in sich.« Ich kleidete mich anders als zuvor. Ich mied jeden Kontakt zu den Lesben, die bis dahin meine Freundinnen gewesen waren. In den Sekten fand ich neue Freundinnen, attraktive, die ihre schönen, begehrenswerten Körper unter langen weiten Kleidern versteckten. Die Frau des Pastors sagte, das sei die richtige Aufmachung für eine Frau, die nicht vom Teufel beherrscht werden will. Für die also, die ich so gern sein wollte: eine Frau, frei von Satan.

Mein Körper ertrug alle Behandlungsrituale. Es ist ein sehr zäher Körper. Ich wurde geschlagen und begehrte die Frauen trotzdem, inniger noch als zuvor. Die Wunden der Heilungsrituale vermochten das Begehren nicht zu ersticken. Ich betete zu Gott, ich bat ihn um ein Zeichen, dass ich geheilt wäre. Vergeblich. Ich gab mich weder mit Männern noch mit Frauen ab. Ich aß nur die ganze Zeit. Ich wollte dick werden, unförmig, um nur ja keinen Mann zu erregen. Und ich begann sie zu hassen, die Männer, egal ob sie weiß oder schwarz waren. Ich verstand nicht, was einer von ihnen in meinem Körper zu suchen hatte. Ich dachte oft daran, mich umzubringen. Es gelang mir nicht. Meine Angehörigen behielten mich im Auge. Sie sahen in mir ein seltsames krankes Wesen. Sie liebten mich nicht. Niemand in der Familie hat mich je geliebt, alle meine Schwestern und Kusinen hatten Angst davor, von mir angesteckt zu werden. Lesbisch zu werden. Sie hatten auch Angst vor dem bösen männlichen Geist in meinem Körper.

Dann begann ein Mann in unserem Haus zu verkehren. Er brachte Geld und Geschenke. Er war hässlich. Ich wollte nicht, dass er mich besuchte, deshalb sagte ich ihm, dass er sehr hässlich und viel zu alt für mich sei. Nachdem ich ihn abgewiesen hatte, sagte mein Stiefvater, dass der Familienrat beschlossen habe, mich mit diesem Mann zu verheiraten. Erstens, weil sich die Nachbarn das Maul über mich zerreißen, zweitens, weil ich einem Mann immer ähnlicher werde, drittens, weil es weder den Medizinfrauen noch den Pastoren gelungen war, die lesbischen und satanischen Geister aus mir zu vertreiben. Ein Mann mit Penis könnte es schaffen. Ich erwiderte, dass ich diesen Mann abscheulich fände. »Wenn du ihn nicht akzeptierst, werfen wir dich auf die Straße.« Einfach so. Ich war damals siebzehn. Ich konnte auf keine Freundin, keine Familie, keine Kirchengemeinde bauen.

Tags darauf wollte der Mann mit mir schlafen. Ich schloss mich in meiner Kammer ein, aber meine Eltern schlugen so heftig gegen die Tür und machten so lange Krach, bis ich endlich nachgab. Mein Stiefvater ließ den Mann herein, sperrte hinter ihm ab, damit ich nicht weglaufen konnte, und schloss die Tür erst am nächsten Morgen wieder auf. So ging es Tag für Tag. Irgendwann wurde ich schwanger. Zwischendurch war ich zu meiner Großmutter aufs Dorf geflohen, aber mein Stiefvater holte mich zurück. Ich dürfe den Mann nicht verlassen, sagte er, ich müsse weiterhin mit ihm schlafen, denn die Familie habe kein Geld, um für mich aufzukommen.

Meine Mutter war von meinem hässlichen Bräutigam ganz begeistert. Sie stellte ihn den Nachbarinnen vor, »schaut, mein Schwiegersohn«, und erzählte allen, dass ich schwanger sei. Ich hasste sie, meinen Stiefvater, die ganze Familie, meinen eigenen Körper und das Baby, als ich es zur Welt brachte. Es ist mittlerweile fünf Jahre alt, und ich hasse es immer noch. Manchmal sagt der Junge »Mama« zu mir. Manchmal fragt mich sein stummer Blick, warum ich ihn in diese Welt gesetzt habe. Er hatte mich nicht darum gebeten. Dann sage ich: »Ich wollte dich nicht haben. Geh zu deinen Großeltern. Sie wollten dich haben. Ich habe nur meine Scheide hergeliehen, mich neun Monate lang vergewaltigen lassen und neun Monate lang an Selbstmord gedacht.« Ich hatte Lauge getrunken, weil ich sterben wollte. Ich bin nicht gestorben. Sogar Gott war gegen mich. 

Meine Großmutter riet mir, mich mit einem jungen, hübschen Mann einzulassen, vielleicht klappte es ja. In ihrem Dorf lernte ich einen kennen, der mir auf den ersten Blick sympathisch war. Er nahm mich mit nach Bata, aufs Festland, wo er arbeitete. Er war nicht sehr treu. Er brachte Mädchen nach Hause, nahm sie mit in unser Bett. Während er sich mit ihnen vergnügte, traf ich mich heimlich mit Mädchen. Er hielt mich für eine brave, gehorsame guineische Frau. Das ist eine, die alles in Kauf nimmt: Seitensprünge, Prügel, Demütigungen … Als ich seine Grobheiten nicht länger ertrug, lief ich davon. 

Ich hatte ihnen gern zugehört, ihm und den Mädchen, die er nach Hause gebracht hatte. Ihr schönes Wimmern. Sein abstoßendes Keuchen. Er hatte seinen Freunden erzählt, dass ich die richtige Frau sei, weil ich seine Polygamie erduldete. Dass ich nie aufmucke. Aber eines Abends nach einem Streit machte ich mich davon. Ein Auto nahm mich ein Stück weit mit. Ich kehrte zu meiner Familie zurück, weil mich meine Mutter angerufen und dazu überredet hatte.

Ich brachte mein Kind zur Welt. Sein Vater ließ sich wieder bei uns zu Hause blicken, meine Familie nahm ihn bei sich auf. Mich brachten sie zu einer Sekte. Der Pastor sagte, dass die Ehe mich von meinen lesbischen Perversionen befreien werde. 

Ich zog mit dem Kindesvater zusammen. Wir schliefen in getrennten Schlafzimmern und hatten ungefähr alle sechs Monate einmal Sex. Gut, wenn man es Sex nennen will … Er hatte geglaubt, dass ich mich ändern, ihn lieben würde. Inzwischen weiß er, dass ich ihn nicht liebe, dass er mit mir nur seine Zeit verliert, dass er sich für die Liebe eine andere suchen muss, dass ich nicht die Richtige bin. Ich hatte ihn geheiratet, um meine Eltern loszuwerden. Das ist mir gelungen. Endlich. Von nun an konnte ich ausgehen, wann ich wollte, heimkommen, wann ich wollte, hinter dem Rücken meines Mannes mit Mädchen beisammen sein.

Die Gerüchte, dass die Ehe mich nicht verändert habe, kamen meiner Mutter zu Ohren. Sie drohte, dass sie mich verstoßen werde, falls ich meinen Mann verlassen und die lesbische Hexerei weiterhin praktizieren sollte. Sie jammerte, nun habe sie endlich einen Schwiegersohn bekommen, einen Mann, der für das Auskommen der Familie sorge, nicht so eine arme hässliche Lesbe, die wie ich in Männerklamotten herumläuft. Mein Mann steht bei meiner Mutter in hohem Ansehen. Was hat er meiner Familie nicht alles geschenkt!

Sie weiß, dass ich diesen Mann nicht liebe. Aber sie kann nicht aufhören, mich immer wieder zu fragen, wie oft wir miteinander ins Bett gehen. Ich erfinde Ausreden. Mein Traum ist es, wieder zu heiraten, und zwar ein Mädchen; das ist mein Plan für die Zukunft. Ich werde keine Mutter mehr sein, das weiß ich mit Sicherheit. Ich gehe davon aus, dass ich eine Frau finde, die mich auch haben will, und wenn bis dahin zehn Jahre vergehen.

Aber die Welt der Lesben in Guinea macht mir Angst. Die einen sagen, dass sie in ihren Beziehungen »die Männer«, die anderen, dass sie »die Frauen« seien. Das ist für mich keine homosexuelle, sondern eine heterosexuelle Einstellung. Ich verstehe sie ja: Wenn sie eine Kindheit wie ich hatten und von einer Medizinfrau zur nächsten geschleift wurden, konnten sie gar nicht lernen, eine gleichberechtigte Beziehung einzugehen. Ich will ehrlich sein: Ich bin schrecklich ungebildet, und so, wie ich aussehe, träge und dick, und in meinem Alter kann ich nicht mehr in eine Schule gehen. Die anderen würden mich auslachen. Ich möchte einen Privatlehrer haben, der mir was beibringt.

Wegen der Geisteraustreibungen konnte ich nicht zur Schule gehen. Jede Behandlung zog sich über Wochen, Monate hin. Eine Zeitlang musste ich an einem Fluss übernachten, allein, dann wieder in einem Becken liegen, das mit einem Gebräu aus verschiedenen Kräutern gefüllt war. Eines Morgens wurde ich gezwungen, ein rohes Hühnerherz hinunterzuwürgen. Das Huhn war zu meiner Heilung frisch geschlachtet worden, es zuckte noch mit den Flügeln. Und am Abend darauf musste ich sein Blut trinken, im Beisein meiner Mutter, der Medizinfrau und ihrer Lehrlinge.

Eine andere Behandlungsmethode, an die ich mich erinnere, wurde mit Urin durchgeführt. Mir wurde befohlen, meine Pisse einen Monat lang aufzuheben. Ein paar Männer banden mich fest und drückten meinen Kopf nach unten, damit ich nicht davonlaufen konnte. Meine Mutter und mein Stiefvater steckten mir Nadeln überall in den Rücken. Dann leerte der Medizinmann, ein Bubi, den Krug mit dem Urin über mir aus. Nicht alles, den Rest hob er auf. Mitten in der Nacht weckte er mich und sagte, dass der lesbische Geist in meinem Körper ihn gewarnt habe, wenn ich den Urin nicht trinke, werde ich sofort sterben. Ich wollte nicht sterben, deshalb nahm ich den Urin, dann das rohe Herz eines anderen Huhns und dessen Blut zu mir. Hierauf verkündete der Medizinmann, dass ich ab sofort keine Lesbe mehr sei. Meine Angehörigen jubelten. Aber ich liebe immer noch Frauen.

Eine Medizinfrau schickte mich mit meiner Mutter ans Meer. Das ist eine Tradition der Ndowé. Sie entschied, dass ich mich selbst heilen würde, indem ich zu einer Meerjungfrau betete, und dass wir zu diesem Zweck ein Chamäleon und ein Huhn besorgen müssten. Eines Morgens um fünf führte sie uns an den Strand. Ich musste die Tiere tragen, um geheilt zu werden. Die Bedingung war, nicht zu schreien und Stillschweigen zu bewahren über das, was wir zu sehen bekommen würden. Die Frau begann zu tanzen und ihre Rituale zu machen. Plötzlich rief sie: »Er kommt, da, er kommt!« Meine Mutter und ich rannten davon, vor Schreck, weil wir nicht wussten, was ihre Schreie bedeuteten. Das Chamäleon und das Huhn ließen wir am Strand zurück, ebenso wie die Medizinfrau. 

Der letzte Medizinmann, dem ich vorgeführt wurde, sagte zu meiner Mutter, dass ich in Wahrheit kein Mensch, sondern eine große Boa sei. Den Beweis für mein tierisches Wesen werde er am nächsten Tag um fünf Uhr nachmittags erbringen. Zu diesem Zweck werde er mich weiß einkleiden, an den Strand bringen und sich in der Nähe verstecken. Sollte ich mich jedoch bis Sonnenaufgang nicht in eine Boa verwandelt haben, dann könnte sie mich beruhigt nach Hause mitnehmen, denn dann wäre ich geheilt. Aber er halte es für viel wahrscheinlicher, dass ich die Gestalt einer Boa annehme würde. In diesem Fall werde er mich dem Meer übergeben, meinem natürlichen Lebensraum. Meine Mutter und ich blickten uns wortlos an. Dann gingen wir weg. Wir suchten nie wieder einen Medizinmann oder eine Medizinfrau auf.

Schließlich waren es die Serien im Fernsehen, die mich von der Vorstellung befreiten, einen bösen Geist in mir zu tragen. Ich sagte: »Gott, ich bin ja nicht die Einzige.« In den Telenovelas, bei MTV, in Filmen waren Mädchen zu sehen, die als Lesben von ihren Familien verstoßen werden, aber trotzdem glücklich und verliebt miteinander leben. In einer von diesen Reality-Shows sah ich weibliche Paare, die, ob verheiratet oder verlobt, gemeinsam ihre Wohnung renovieren.

Ich hatte immer noch Angst, aber das Internet verhalf mir zu Orgasmen. In einem Film sah ich eine Lesbe, die sich selbst befriedigt. Ich machte es ihr nach, was für ein Genuss war das! Ich lud Pornofilme und Bilder von nackten Mädchen auf mein Handy. Meine Mutter bekam sie eines Tages zu Gesicht und machte ein Mordsspektakel. Sie befahl mir, alles sofort zu löschen, weil es Teufelswerk und verhext wäre. Aber statt sie zu löschen, sicherte ich die Dateien unter einem Kennwort.

Ich glaube, ich bin eine schlechte Mutter. Ich weiß nicht, ich bin mir nicht sicher, aber mein Kind, wenn ich es ansehe … ich spüre keine Liebe. Es schaut seinem Vater sehr ähnlich. Um es zu gebären, bin ich vorher von einem Mann genommen worden. Ich wollte von keinem Mann genommen werden. Und ich bin ohne Zärtlichkeit aufgewachsen. Es schmerzt mich, dass ich ihm keine geben kann. Wenn ich im Wohnzimmer fernsehe, kommt der Junge hin und wieder angelaufen und sagt: »Mama, spiel doch mit mir.« Ich sage dann immer, »morgen, ein andermal«. So geht das, Tag für Tag. Manchmal weine ich.

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