N°12 | KULTUR | 31.10.19

Steckbrief eines Friedfertigen

Über den Anarchisten Hubert Schwarzbeck, der vor dreißig Jahren, im November 1989, in Graz verstorben ist. Ein Destillat aus Briefen, Urkunden, Fotos und Befragungen.

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VON ERICH HACKL


Der k. k. Zollamtliche Offizial i. R. Matthäus Schwarzbeck war schon über sechzig und hatte nur noch vier Jahre zu leben, als er die junge, hübsche und mittellose Landarbeiterin Anna Gribitz heiratete. Am 7. Oktober 1906, zehn Monate nach der Trauung, brachte Anna in Marburg/ Drau ihren zweiten Sohn zur Welt, der noch am selben Tag auf den Namen Hubert getauft wurde. (Der erste, unehelich geborene, trug den Namen des Vaters, wurde aber immer nur Matzl gerufen.) Bald darauf ließ sich die Familie in Graz nieder, wo die beiden Brüder als Halbwaisen aufwuchsen. Sie kamen gut miteinander aus, auch wenn Anna den geistig schwerfälligen Älteren deutlich bevorzugte. Nach fünf Klassen Volks- und drei Klassen Bürgerschule besuchte Hubert die Höhere Gewerbeschule für Maschinenbau und Elektrotechnik, an der er im Juni 1924 mit Auszeichnung maturierte. Die Hoffnung seiner frömmelnden Mutter, er werde den Priesterberuf ergreifen, erfüllte sich nicht. Noch als Schüler war Hubert aus der Katholischen Kirche ausgetreten und hatte sich der sozialistischen Jugendbewegung angeschlossen. Er arbeitete als Monteur, dann als technischer Zeichner in der Firma Wilhelm Brückner, ehe ihm »infolge der ungünstigen wirtschaftlichen Lage unseres Unternehmens«, wie es im Dienstzeugnis heißt, im November 1927 gekündigt wurde, und war anschließend als Heizungstechniker bei der Österreichischen Maschinen- bau-Aktien-Ges. Körtig beschäftigt, bis er auch dort »wegen der allgemein herrschenden Wirtschaftskrise« ausscheiden musste. Sein letzter Arbeitstag war der 31. März 1932. Anfang August desselben Jahres sollte er Graz blitzartig verlassen.


WÖRTER: 3300

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