N°12POLITIK | 31.10.19

»Ein kognitiver Schock«

Der Wirtschaftshistoriker Adam Tooze hat mit Crashed. Wie die Finanzkrise die Welt verändert hat die Geschichte der Großen Rezession niedergeschrieben. Ein Gespräch über die neue Architektur des Weltkapitalismus und darüber, was Linke daraus lernen können.

________________________

ADAM TOOZE IM GESPRÄCH MIT SETH ACKERMAN

Seth Ackerman | Du beschreibst die globale Finanz- und Wirtschaftskrise als Moment, in dem große Entscheidungen getroffen werden mussten. Nach dem »Ende der Geschichte« gab es wieder politische Handlungsfähigkeit. Aber diese Handlungsfähigkeit fiel visionslosen Personen zu, die selbst technokratisch denken. Statt Charles De Gaulles oder Franklin D. Roosevelt gab es Angela Merkel und Barack Obama.

Adam Tooze | Es war ein unwahrscheinlicher Zufall, dass ausgerechnet sie die Manager der Krise wurden. Die Europäer waren in den Jahren vor 2008 nicht in der Lage, zu sagen: Die Finanzindustrie hat potenziell explosive Auswirkungen für das Projekt der Eurozone, also brauchen wir eine Bankenunion, und zwar von Anfang an. Sie haben den Finanzsektor nie als einen Bereich gesehen, der historisch vergleichbar ist mit anderen Sektoren des Kapitalismus, wie Kohle und Stahl oder dem Agrarsektor, denen eine gewaltige, explosive, transnationale Krisendynamik innewohnt.


WÖRTER: 1200

LESEZEIT : 6 MINUTEN

Lesen Sie diesen Artikel jetzt weiter:


Adam Tooze ist Professor für Geschichte an der Columbia University New York. Das Interview, welches Seth Ackerman mit ihm geführt hat ist in voller Länge in der US-amerikanischen Zeitschrift Jacobin erschienen. Aus dem Englischen von Benjamin Opratko.

Lost your password? Please enter your username or email address. You will receive a link to create a new password via email.
We do not share your personal details with anyone.