NUMMER 4

Kein Schulterschluss

Mit das Bedrückendste am Ausnahmezustand, wie er seit Mitte März zur Eindämmung der Corona-Pandemie herrscht, ist die Eintracht, die er hervorzubringen imstande ist. Beispiel Ischgl: Gegen jede Vernunft wurde der Tiroler Ski-Ort erst am 13. März unter Quarantäne gestellt. Nach allem, was bisher bekannt ist, wohl deshalb, weil die mit der ÖVP aufs Engste verwobene Seilbahn- und Touristik-Lobby aus wirtschaftlichen Gründen weder Lifte noch Hotels schließen wollte. Als es endlich soweit war, sorgte man vor Ort nicht etwa für eine geordnete Abreise oder die vorübergehende Isolierung der Gäste. Man organisierte deren Weiterreise zu Hotels in anderen Tiroler Gegenden.

In einer funktionierenden Republik würde die gesamte Riege der dafür Verantwortlichen auf Lebenszeit von allen öffentlichen Ämtern ausgeschlossen bleiben.

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KULTUR

 

Der sowjetische Edison

Über den russischen Physiker und Musiker Leon Theremin, das gleichnamige von ihm erfundene Musikinstrument und die Verwerfungen des 20. Jahrhunderts.

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Von Barbara Eder

Im Verborgenen: A crack in everything

Es ist etwas faul im Staate Österreich: Feminizide sind heuer, genauso wie letztes Jahr, erneut im entsetzlichen europäischen Spitzenbereich.

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Von Julya Rabinowich

Die Last der Mitschuld

An dieser Stelle dokumentieren und kontextualisieren wir Beiträge aus fast fünf Jahrzehnten TAGEBUCH. Diesmal: ein Gedicht der Schriftstellerin Susanne Wantoch, veröffentlicht nach der Niederschlagung des Ungarnaufstands im Jahr 1956.

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Von Susanne Wantoch

 

 

POLITIK

 

»In St. Pölten steht ein Tempel, in Wien ein Dixi-Häusl«

Der Historiker Florian Wenninger leitet das »Institut zur Erforschung der Geschichte der Gewerkschaften und der Arbeiterkammer« in Wien. Ein Gespräch über schwarz-grüne Geschichtspolitik, den Begriff Austrofaschismus und die Notwendigkeit, aktuelle politische Fragen in die Vergangenheit zurückzuwerfen.

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David Mayer im Gespräch mit Florian Wenninger

 

Konturen einer demokratischen Biopolitik

Der italienische Philosoph Giorgio Agamben charakterisierte zuletzt die aufgrund der Covid-19-Pandemie ergriffenen Maßnahmen als eine Ausübung von Biopolitik im »Ausnahmezustand«. Panogiotis Sotiris, Lehrbeauftragter der Fernuniversität Patras, antwortet darauf mit Überlegungen, wie Biopolitik anders gedacht werden kann.

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Von Panagiotis Sotiris

Vom Durst nach der Revolution

In der chilenischen Hauptstadt Santiago drängten am 8. März, dem Internationalen Frauentag, mehr als eine Million überwiegend weibliche Demonstrantinnen auf die Straße. Damit gaben sie den seit Monaten anhaltenden Protesten neuen Antrieb.

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Von Lukas Oberndorfer

 

Land des rechten Terrors

Die Attentate von Hanau, Halle und Kassel kommen nicht aus dem Nichts. Der rechte Terror in Deutschland hat nicht nur Tradition, sondern auch treue Verbündete in Sicherheitsbehörden, Parteien und Medien.

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Von Robert Andreasch

 

Lenins Staat

Am 22. April jährt sich Lenins Geburtstag zum 150. Mal. Am Vorabend der Oktoberrevolution von 1917 setzte er mit Staat und Revolution eine analytische und programmatische Maschine in die Welt.Eine Nachbetrachtung.

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Von Alfred J. Noll

 

Der gute Mensch von Traiskirchen

Traiskirchen gilt als gallisches Dorf im erzkonservativen Niederösterreich.
Das rebellische Image hat die idyllische Stadtgemeinde ihrem sozialdemokratischen Bürgermeister Andreas Babler zu verdanken.

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Von Tyma Kraitt

 

Kein Schulterschluss

Mit das Bedrückendste am Ausnahmezustand, wie er seit Mitte März zur Eindämmung der Corona-Pandemie herrscht, ist die Eintracht, die er hervorzubringen imstande ist. Beispiel Ischgl: Gegen jede Vernunft wurde der Tiroler Ski-Ort erst am 13. März unter Quarantäne gestellt.

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Von Samuel Stuhlpfarrer

 

 

DEBATTE

 

Eine geschlossene Festung

Die SPÖ unter Michael Ludwig, die sich im Herbst in Wien zur Wahl stellt, ist kaum mehr als die urbane Version des Modell Doskozil.

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Von Martin Konecny

Was Michael Ludwig richtig macht

Grosso modo meistert der Wiener Bürgermeister seine Aufgabe gut. Sie besteht darin, eine rot-grüne Mehrheit in der Stadt zu garantieren.

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Von Robert Misik

Der Corona-Crash

Die durch das Corona-Virus ausgelöste Panik hat eine lang erwartete Korrektur der Vermögenspreise ausgelöst.

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Von Grace Blakeley

 

 

Chile vor der Zeitenwende

Überraschend kam der soziale Aufstand in Chile nicht. Nicht vorhersehbar waren dagegen Heftigkeit und Dauer der Proteste.

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Von Karin Fischer

Kein Wegsehen, kein Verschweigen

Wir dokumentieren an dieser Stelle einen Aufruf von mehr als 150 Künstlerinnen und Intellektuellen angesichts der Situation an der türkisch-griechischen Grenze. Ihre Forderung: Kein Krieg
und keine Polizeigewalt gegen Flüchtlinge!

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Von Erich Hackl, Elfriede Jelinek, Erni Mangold, Gerhard Ruiss, Peter Turrini u.v.m.

Durch die Augen anderer

Der antimuslimische Rassismus ist nicht nur mörderisch, er zerreißt auch unsere Gesellschaften, indem er manche von uns zu einem Problem erklärt, das der Staat zu lösen hätte.

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Von Benjamin Opratko

 

 

REZENSIONEN

 

Archäologie des Aufruhrs

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Von Sabine Fuchs

 

Geld und Leben

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Von Katharina Bacher

 

Gegenentwurf zur Erinnerung an 1990  

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Von Karin Zennig

 

 

Ein Poproman der feinsten Sorte

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Von Andrea Heinz

 

Ein Jahrhundertleben

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Von Marcel Bois

 

Sittengemälde

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Von Jana Volkmann

 

Nie ohne Engels

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Von David Mayer