N°6POLITIK | 27.05.20

Die toxische Parteizentrale

Jahrelang sabotierte der rechte Flügel von Labour die Agenda Jeremy Corbyns und verhinderte systematisch den Kampf gegen Antisemitismus in den eigenen Reihen.

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Von Christian Bunke
Illustration: Christoph Kleinstück

Als am Wahlabend des 8. Juni 2017 in der Londoner Zentrale der Labour-Partei die ersten Hochrechnungen eintrafen, war die Freude der Basis riesig. Theresa May hatte am 18. April 2017 Neuwahlen angekündigt, die Tories lagen zu diesem Zeitpunkt mit einem Vorsprung von 21 Prozent geradezu uneinholbar voran. Am 8. Juni betrug der Vorsprung der Konservativen nur noch zweieinhalb Prozent. Labour hatte mit einem linken Wahlprogramm viele eigentlich verloren geglaubte Wahlkreise gewinnen können, die regierenden Konservativen verfehlten die parlamentarische Mehrheit im Unterhaus. Doch während Labour-Aktivisten eine feucht-fröhliche Wahlparty feierten, sackte auf den Fluren der Parteizentrale die Stimmung in den Keller. »Mir wird schlecht«, schrieb eine leitende Mitarbeiterin in eine interne Whatsapp-Gruppe. »Die freuen sich und wir sind still und aschfahl im Gesicht«, antwortete eine andere. Auch prominente Funktionäre beteiligten sich an dem Chat. »Ich werde sicher nicht lächeln und mich unter die Leute mischen«, schrieb der damalige Generalsekretär Iain McNicol. 


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