N°2POLITIK | 01.02.21

Was Märkte entspannt

Banken und andere Finanzinstitutionen scheinen die Pandemie bislang gut zu überstehen. Ob die Finanzmarktstabilität gesichert bleibt, hängt von ihrer Regulierung ab. 

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VON MARIA KADER

ILLUSTRATION: LEA BERNDORFER

Maria Kader lebt und arbeitet als Bankangestellte und Ökonomin in Wien.

Als im Jahr 2008 die Finanzmarktkrise ausbrach, spannte man, um die Finanzmarktstabilität zu wahren, einen sogenannten Rettungsschirm über Europas Banken. Die dabei von der öffentlichen Hand ausgeschütteten Gelder an die strauchelnden Institute beliefen sich netto über die Folgejahre je nach Berechnungsart auf 5 bis 14 Prozent des Bruttoinlandsprodukts der Länder des Euroraums. Diese massiven Geldspritzen für die Finanzindustrie führten rasch zu einem Anwachsen der öffentlichen Verschuldung und der Defizitquoten in den europäischen Staaten, was wiederum Sparmaßnahmen und Austeritätspolitiken unterschiedlicher Intensität zur Folge hatte. Es stellt sich die Frage, ob im Angesicht der Corona-Krise ein ähnliches Szenario droht.

Obwohl die Pandemie ökonomisch gesehen einen der schlimmsten Wirtschaftseinbrüche seit vielen Jahrzehnten darstellt, hat sie bislang keine dramatischen Auswirkungen auf das Finanzsystem gehabt. Dabei schien es zu Beginn nicht ganz so glimpflich auszugehen; gleich mehrere Indikatoren auf den Finanzmärkten zeigten deutliche Ausschläge. Der CBOE Volatility Index (VIX) beispielsweise, einer der wichtigsten Volatilitätsindizes, sprang im März 2020 steil nach oben. Steigt die Volatilität auf Finanzmärkten, bedeutet das zunächst große Unruhe bei den Finanzmarktteilnehmern, deutet aber noch nicht auf fundamentale ökonomische Probleme hin. Als unmittelbare Folge brachen die Kurse auf den Aktienmärkten ein. Diese negativen Entwicklungen hielten allerdings nicht lange an, rasch stabilisierten sich sowohl die Volatilitätsindizes wie auch die Aktienmärkte. 

Waren kurz nach dem Zusammenbruch der US-amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers Mitte September 2008 in weiten Teilen der Welt noch etliche Banken zusammengebrochen, gibt es nach fast einem Jahr Corona-Krise keine nennenswerten Finanzinstitute im Euroraum, die durch die Pandemie und ihre Auswirkungen ernsthaft in Gefahr wären. Überhaupt scheint die Finanzmarktstabilität in Europa derzeit nicht bedroht. Die Stimmung auf den Finanzmärkten ist dementsprechend entspannt. 


WÖRTER: 1926

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