N°11REZENSIONEN | 30.10.20

Andreas Malm I:
Globale Erkrankung

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Von Lisa Mittendrein

Andreas Malm
KLIMA|X
Aus dem Englischen von David Frühauf
Matthes & Seitz, 2020, 263 Seiten
EUR 15,50 (AT), EUR 15,50 (DE),
CHF 19,90 (CH)

Klima|x ist ein Essay zum chronischen Notstand, in dem wir uns angesichts von Corona- und Klimakrise befinden. Der schwedische Humanökologe Andreas Malm und sein erstes historisch-theoretisches Buch Fossil Capital sind im deutschsprachigen Raum bisher nur wenigen bekannt. Nun widmet sich Malm in Klima|x, geschrieben innert weniger Wochen während des Lockdowns, zwei Themen: der »globalen Erkrankung« und den politischen Handlungshorizonten.

Im ersten, hochaktuellen Teil diskutiert er ausgehend von den Unterschieden (und Gemeinsamkeiten) von Pandemie und Klimakrise den Charakter des chronischen Notstands. Wieso reagierten die kapitalistischen Staaten des Globalen Nordens so schnell auf die Corona-Pandemie, während sie in der Klimakrise seit Jahrzehnten wirksame Maßnahmen verschleppen? Es sind die räumlichen und zeitlichen Profile der beiden Krisen, die viel erklären, so Malm. Aber eigentlich geht es ihm um etwas Grundsätzlicheres: Die globale Erhitzung gilt als andauernde Entwicklung, Covid-19 hingegen nur als momentaner Schock. Das ist eine falsche Interpretation. Der heutigen Pandemie liegt für Malm ebenso eine langfristige Entwicklung zugrunde, die er die »globale Erkrankung« nennt. Denn seit Jahrzehnten entstehen weltweit immer mehr neue Infektionskrankheiten. Und dagegen tun die kapitalistischen Staaten genau so viel wie gegen die Klimakrise – nämlich nichts. 


WÖRTER: 396

LESEZEIT : 2 MINUTEN

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