N°6REZENSIONEN | 27.04.20

Das Agens der Revolution

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Von Gabriele Sorgo

Terry Eagleton
Opfer
Selbsthingabe und Befreiung

Promedia, 2020, 176 Seiten
EUR 19,90 (AT), EUR 19,90 (DE), CHF 26,90 (CH)

Aus kulturwissenschaftlicher Sicht war es wohl Elton John, der im 20. Jahrhundert das am meisten rezipierte Werk zum Thema »Opfer« publiziert hat. Sein Hit Sacrifice erschien 1989 auf einer Single, deren Rückseite das Lied Love is a Cannibal anbot. Hier ist die zynische Dialektik der Kulturindustrie, die aus dem unheiligen Bund von Hingabe und Konsumption Kapital schlägt, kaum zu übersehen. Im Jahr 2020 versucht ein anderer Brite, der marxistische Literaturwissenschaftler Terry Eagleton, ebenfalls einen Hit zu landen, allerdings indem er genau diesen Zynismus zum Thema seines Sachbuches macht. Zeitlich hätte er es nicht besser treffen können, denn die Corona-Krise führt drastisch vor Augen, welcher politische Stellenwert dem Opferstatus im Kampf um die mediale Aufmerksamkeit und um staatliche Finanzhilfen zukommt. Eagletons These, dass die Armen und die Randständigen der Gesellschaft die wahren, jedoch meist unbedankten Opfer darstellen, könnte sich einmal mehr bewahrheiten.


WÖRTER: 310

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