N5 | REZENSIONEN | 01.05.2021

Der rote Reformpädagoge

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VON GERNOT TRAUSMUTH



Lilly Maier

Auf Wiedersehen, Kinder!

Ernst Papanek – Revolutionär, Reformpädagoge und Retter jüdischer Kinder

Molden, 2021, 304 Seiten

EUR 28,00 (AT), EUR 28,00 (DE), CHF 38,90 (CH)


Im Roten Wien zählte Ernst Papanek (1900–1973) zu den Nachwuchshoffnungen der Sozialdemokratie. Nach der austrofaschistischen Machtergreifung im Februar 1934 flüchtete er, wurde Teil der sozialdemokratischen Exilorganisation und leitete in der Folge in Frankreich Kinderheime für unbegleitete jüdische Flüchtlingskinder, denen er mit seinen reformpädagogischen Ansätzen bei der Bewältigung ihrer traumatischen Erfahrungen zur Seite stand.

Papanek vertrat eine Pädagogik, in der die Gemeinschaft und der Wert der Solidarität im Mittelpunkt stehen. Sein Konzept stützte sich auf das Prinzip der Gewaltfreiheit, projektorientiertes Lernen, einen antiautoritären Erziehungsstil und Mitverwaltung durch die Kinder. Wer sich mit Pädagogik auseinandersetzt oder in der Betreuung von Geflüchteten tätig ist, wird in diesem Buch Inspiration finden – und in Ernst Papanek ein Vorbild.

Die Möglichkeit, im französischen Exil Menschlichkeit zu leben, war jedoch nicht von langer Dauer. Nach der deutschen Besetzung musste Papanek 1940 samt seiner Familie erneut flüchten. Dank seiner Kontakte schaffte er es allen bürokratischen Hürden zum Trotz in die USA, von wo aus er nicht nur seine Schützlinge in Frankreich weiter unterstützte, sondern auch als Reformpädagoge Anerkennung fand.


WÖRTER: 422

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