N°12/1REZENSIONEN | 30.11.20

Disziplinierte Solidarität

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VON TORSTEN BEWERNITZ
Jodi Dean
GENOSSEN!
Aus dem Englischen von Andreas G. Förster
Wagenbach, 2020, 176 Seiten
EUR 18,50 (AT), EUR 18,00 (DE),
CHF 25,90 (CH)

Mit Genossen! will die US-amerikanische Politikwissenschafterin Jodi Dean laut Verlag eine Theorie desselben vorlegen. Dabei lässt sie keinen Zweifel daran, dass sie den Parteigenossen meint: »Mein Nachdenken über den Genossen … speist sich aus meinen Arbeiten … über die Partei als … notwendige politische Form.« Deans Postulat, »[w]enn die Linke einen radikalen Wandel will, … dann müssen wir Genossen sein«, bedeutet also: Wir brauchen eine Partei.

Dean argumentiert, dass die aktuellen Themen der Linken – race, class und gender – immer auch Themen der kommunistischen Parteien waren. Vorwürfe eines Hauptwiderspruchsdenkens oder mangelnder Empathie, namentlich gegenüber Schwarzen und Frauen, seien also unangemessen. Und ihre Ausführungen über die Geschichte vor allem der US-amerikanischen KP legen zugleich nahe: Die kulturalistisch-individualistische Politikform der Linken ist kein neues Phänomen, sondern begleitete diese schon immer; und der Umgang einer Partei damit war nicht weniger problematisch als heutige linke Praxen. Ihre abschließende Beschreibung eines antirassistisch motivierten Parteiausschlussverfahrens aus der KP 1931 erinnert an heutige awareness groups: »Nach seinem Ausschluss wurde das ehemalige Mitglied ›freigestellt‹, das heißt, dass er oder sie mit einem Schlag und für immer nicht nur von der Organisation und allen Aktivitäten abgeschnitten war, sondern von einem ganzen Kreis langjähriger Freunde und Bekannter.« Der Ausschluss, folgert Dean, sei »ein Hindernis für die kritische und offene Auseinandersetzung«.


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