N°7/8| REZENSIONEN | 27.06.20

Goldschmidt-Variationen

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VON HAZEL ROSENSTRAUCH

Georges-Arthur Goldschmidt
VOM NACHEXIL

Wallstein, 2020, 87 Seiten
EUR 18,50 (AT), EUR 18,00 (DE), CHF 24,50 (CH)

Er hat seine Geschichte noch einmal besichtigt, die Erinnerungen geprüft und Worte gefunden. Georges-Arthur Goldschmidt wuchs die ersten zehn Jahre in einer wohlhabenden protestantischen, sehr deutschen Familie in der Nähe Hamburgs auf. Schon der Großvater war konvertiert, der Vater war in einer schlagenden Verbindung und hatte drei Schmisse, die Vorfahren, schreibt er, sprachen bereits im 17. Jahrhundert hochdeutsch, nicht jiddisch. Dann gewannen die Nationalsozialisten die Wahlen und die Herzen vieler Deutscher. Nach deren Gesetzen war er Jude, und wie er später im Kloster lernt, ein »Mörder Christi«. 

Die Eltern schickten ihn zusammen mit seinem Bruder erst nach Italien, von dort floh er weiter nach Frankreich und überlebte in einem katholischen Kloster, später versteckt bei Bauern. Den Abschied von den Eltern am Bahnhof Hamburg, die Züchtigungen der Internatsleiterin mit Ruten auf den nackten Hintern, den Schmerz, den er Heimweh nennt, hat er schon in anderen Werken beschrieben. Nun prüft der über 90-Jährige noch einmal die prägenden Erfahrungen, vor allem die Gefühle des blonden deutschen jungen Mannes, der plötzlich als »Nichtarier« ausgeschlossen zu einem Feind in der vertrauten Umgebung wurde. 


WÖRTER: 456

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