N°5REZENSIONEN | 27.04.20

Kunst und Kampf

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Von Karin Jaschke

Oliver Ressler (Hg.)

Barricading the Ice Sheets

Artists and Climate Action in the Age of Irreversible Decision

Edition Camera Austria, 2020, 88 Seiten
EUR 14,90 (AT), EUR 14,90 (DE), CHF 15,70 (CH)

Der Künstler und Filmemacher Oliver Ressler setzt sich in seiner Arbeit mit sozialen Bewegungen auseinander, zuletzt mit jener der Klimaschutzaktivistinnen und -aktivisten. Seine Videoserie Everything’s coming together while everything’s falling apart dokumentiert etwa die Proteste gegen den Kohleabbau in Deutschland und in der Tschechischen Republik, die erfolgreiche Besetzung eines geplanten Flughafens in Frankreich oder die Blockade des Hafens von Amsterdam, Europas zweitgrößtem Kohlehafen.

Im Zusammenhang mit seinem Forschungsprojekt Barricading the Ice Sheets hat Ressler im Februar 2020 gemeinsam mit der Camera Austria in Graz eine Konferenz veranstaltet, die internationale Künstlerinnen und Aktivisten zusammengebracht hat. Nun liegt der (schmale) gleichnamige Konferenzband vor. Er versammelt Beiträge von Maja und Reuben Fowkes, Lenka Kukurová, Vanina Saracino, Imre Szeman sowie Oliver Ressler selbst und thematisiert die Rolle von Künstlerinnen und Kulturschaffenden in den aktuellen Bewegungen zum Klimaschutz.

Maja und Reuben Fowkes setzen sich mit dem System Kunst auseinander, beschreiben die engen Verflechtungen zwischen Kapital und Kunstinstitutionen und entwerfen Perspektiven, wie sich Letztere – auch in ihrer inhaltlichen Ausstellungspraxis – ökologisch ausrichten könnten. Lenka Kukurová kritisiert ebenfalls das Greenwashing von Unternehmen, die sich über Kunstsponsoring ein sauberes Image geben wollen. Laut Vanina Saracino wohnen sowohl der Kunst als auch dem Klimaaktivismus »transformative Kraft« inne. Vor allem Videoarbeiten als sehr zugängliche Kunstform sollen als Medien der »Entschleunigung« wirken und zum Widerstand gegen den »Extraktionskapitalismus« beitragen. Imre Szeman beschreibt künstlerische Beispiele im Kontext der Proteste gegen den Ausbau von Öl- und Gas-Pipelines durch indigene Gebiete in Kanada. Auch wenn diese »nur begrenzt Einfluss auf die öffentliche Meinung oder politische Debatte« haben, ginge es um das Sichtbarmachen einer »Politik des Möglichen« und darum, »wirklich neue Narrative und Perspektiven« auf die aktuelle politische Situation im Zusammenhang mit der Erderwärmung zu eröffnen.Insgesamt bietet Barricading the Ice Sheets einen interessanten Beitrag zur Debatte, auf welche Weise Kunstinstitutionen, Kunst- und Kulturschaffende Engagement zeigen können. Den Widersprüchlichkeiten und Schwierigkeiten, auf die sie in all dem treffen, sind sich die Autorinnen und Autoren dabei durchaus bewusst. Was bleibt, ist, wie es Imre Szeman formuliert, die Hoffnung, dass die Kunst »auf den Barrikaden für das kämpft, was kommt«.

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