N°7/8| REZENSIONEN | 27.06.20

Leben im Ehe-Danach

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VON ANDREA HEINZ

Rachel Cusk

DANACH
Über Ehe und Trennung
Aus dem Englischen von Eva Bonné
Suhrkamp, 2020, 187 Seiten
EUR 22,70 (AT), EUR 22,00 (DE), CHF 31,50 (CH)

Was autobiografisches feministisches Schreiben betrifft, zählt Rachel Cusk sicher zu den wichtigsten Autorinnen der Gegenwart: Klug und analytisch genau, kompromisslos und hart nicht zuletzt sich selbst gegenüber. Sie sucht nach Wahrhaftigkeit, nach Erkenntnis – und scheut dabei weder Widersprüche noch das Unbequeme. So ist es auch in ihrem autobiografischen Essay Danach. Über Ehe und Trennung. Das Buch erschien 2012 im englischen Original. Erst jetzt brachte Suhrkamp, wo bereits die drei Teile ihrer Roman-Trilogie Outline, Transit und Kudos sowie ihre Mutterschaftsmemoiren Lebenswerk erschienen sind, Danach in der Übersetzung von Eva Bonné heraus. 

In Großbritannien, so erzählte Cusk in Interviews, wurde sie für Danach geächtet. Man versteht das sofort. Denn Cusk sieht genau hin – und das ist schmerzhaft. Sie entlarvt Mythen über das moderne, vermeintlich gleichberechtigte und emanzipierte Zusammenleben von Mann und Frau als das, was sie oft sind: Lügen. Die Ehe, von deren Scheitern Danach erzählt, scheint ein feministischer Traum: Nachdem Cusk kurz nacheinander zwei Töchter bekommt, gibt ihr Mann seinen Beruf als Anwalt auf und kümmert sich um Kinder und Haushalt, während sie weiter als Schriftstellerin arbeitet.


WÖRTER: 502

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