N°12/1REZENSIONEN | 30.11.20

Legenden, Lügen, Bla, Theorie

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VON ANDREA HEINZ
Bov Bjerg
SERPENTINEN
Claassen, 2020, 272 Seiten
EUR 22,70 (AT), EUR 22,00 (DE),
CHF 27,90 (CH)

Worum geht es? Das fragt »der Junge«, der Siebenjährige Sohn des Ich-Erzählers in Bov Bjergs Serpentinen ständig. Ja, worum geht es denn? Ein Mann, der Erzähler, fährt mit seinem Sohn in die Schwäbische Alb, an die Orte seiner Kindheit. Es ist eine Aufarbeitungsreise. Der Mann entstammt einer Selbstmörderdynastie. In jeder Generation einer, immer ein Mann: der Urgroßvater, der Großvater, der Vater. »Zu Wasser, zu Lande und in der Luft. Pioniere.« 

Der Dreiklang lässt nicht umsonst Assoziationen mitschwingen an ein bestimmtes (wilhelminisches) Deutschland, das es in dieser Form nicht mehr gibt, das aber nach wie vor in manchen Seelen herumgeistert: ein militärisches, imperialistisches. Es geht nicht zuletzt um dieses Deutschland und welche Auswirkungen es, seine (schwarze) Pädagogik, sein Männerbild, noch immer hat. Der Vater des Erzählers war, bevor er sich erhängte, Stuckateur. Oder ging stempeln. Außerdem trank er und prügelte seine Familie. Er war glühender Nationalsozialist: »Er schimpfte nicht auf Ausländer. Er war lediglich der Ansicht, dass Deutschland die Welt beherrschen solle, dass Hitler ein großer Mann gewesen und dass es richtig gewesen sei, möglichst viele Juden umzubringen.« 


WÖRTER: 543

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