N°10 REZENSIONEN | 30.09.20

Mehr als eine
Anthologie

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Von Judith Vey


Ulrich Brand
POST-WACHSTUM UND GEGEN-HEGEMONIE
Klimastreiks und Alternativen zur imperialen Lebensweise. Mit einem Beitrag zur Corona-Krise
VSA, 2020, 256 Seiten
EUR 17,30 (AT), EUR 16,80 (DE), CHF 23,90 (CH)

Auf Ermunterung des VSA-Verlags hin hat sich der in Wien lehrende Politikwissenschafter Ulrich Brand entschieden, verschiedene Texte, die bis auf wenige Ausnahmen bereits in den Jahren 2012 bis 2019 erschienen sind, in einem Band zusammenzutragen. Ziel ist es, »aus sozial-ökologischer und internationalistischer Perspektive ein[en] Beitrag zur gemeinsamen Verständigung über die aktuelle gesellschaftspolitische Situation, in der wir uns befinden, sowie über Anknüpfungspunkte für mögliche emanzipatorische Veränderungen« zu leisten. Inhaltlich sind die Texte der Anthologie vier Themenschwerpunkten zugeordnet: Gegen-Hegemonie in Zeiten der Krise: Imperiale versus solidarische Lebensweise; linke Wachstumskritik, Gewerkschaften und alternative Wohlstandsmodelle; Demokratie und Lernprozesse in der Krise der neoliberalen Globalisierung; sowie Lateinamerika: Boom, progressive Hegemonie und Krise – Lehren für die Linke. Die Textarten reichen vom wissenschaftlichen Artikel über ein mit ihm geführtes Interview bis hin zu einem für das Jubiläumsrundschreiben der Hilfsorganisation Medico International verfassten Essay. Die alles umfassende Klammer bildet die Frage von Post-Wachstum und Gegen-Hegemonie.

Die Texte sind gut zugänglich und mit Literaturangaben, aktuellen Studien und Verweisen unterlegt. Schlüssige Argumentationen in differenzierter, allgemeinverständlicher Sprache machen die Texte lesenswert, nicht nur für ein akademisches Publikum. Brand vermag es, kluge Analysen anzustellen, daraus gezogene Schlussfolgerungen überzeugend darzustellen und diese mit politischen Forderungen und emanzipativen Perspektiven zu verbinden.

Für Menschen, die Brands Publikationen schon kennen, enthalten die Gedankengänge wenige Überraschungen. Der Sammelband ist aber dennoch bemerkenswert, da er eine Reflexion seines bisherigen, äußerst produktiven Schaffens darstellt. In den Texten treten immer wieder die zentralen Argumente und gesellschaftskritischen Perspektiven hervor, die sich wie eine Konstante durch Brands Arbeiten ziehen. Der Sammelband ist daher weit mehr als eine reine Anthologie.


WÖRTER: 406

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