N°9 REZENSIONEN | 30.08.20

Überlebenskunst

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Von Hazel Rosenstrauch

Ernst Lothar
DAS WUNDER DES ÜBERLEBENS
Mit einem Nachwort von Daniel Kehlmann Zsolnay, 2020, 384 Seiten
EUR 25,70 (AT), EUR 25,00 (DE), CHF 35,90 (CH)

1960 erschien Das Wunder des Überlebens zum ersten Mal. Damals gab es weder Lehrstühle für Exilliteratur noch eine Exilbibliothek und nur wenige Menschen in Österreich, die sich für dieses Thema interessierten. Sechzig Jahre später haben sich nicht nur die Leser, es hat sich auch das Buch verändert. Es ist ein lehrreicher Genuss. 

Ernst Lothar, der vor dem Krieg erst Staatsanwalt, dann Theaterkritiker, Autor, Direktor des Theaters in der Josefstadt, Mitarbeiter Max Reinhardts und Mitgründer der Salzburger Festspiele war, ist zu einem wichtigen Zeugen des 20. Jahrhunderts geworden. Seine Wurzeln liegen tief vergraben in der k. u. k. Monarchie. Ihretwegen blieb er konservativ, und war doch ein überzeugter Demokrat. Da er im Verständnis der Nazis und ihrer österreichischen Freunde »jüdisch« war, musste er fliehen. Er hat es, als einer von vielen tausend Emigranten, relativ gut gehabt, bekam ein Visum und bald die amerikanische US-Staatsbürgerschaft. Zudem konnte er auch in den USA als Autor reüssieren. Unterstützt wurde er dabei von seiner nicht-jüdischen Ehefrau Adrienne Gessner.


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