N6° | REZENSIONEN | 01.06.2021

Aufstieg und Fall des Gustave Courbet

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Von Richard Schuberth



Bernd Schuchter

Gustave Courbet und der Blick des Verzweifelten

Braumüller, 2021, 120 Seiten

EUR 18,00 (AT), EUR 18,00 (DE), CHF 25,90 (CH)


Realisten gab es viele, der Maler Gustave Courbet aber, so Walter Benjamin, sei der letzte gewesen, »der versuchen konnte, die Photographie zu überholen«, und »der vielleicht letzte Maler«, in dem sich die Solidarität ausprägte, die »die Malerei einst mit den öffentlichen Anliegen verbunden hat«.

Die großen Namen der Boheme blieben der Pariser Commune fern und ihrem bürgerlich-antibürgerlichen Individualismus treu. Nur einer nicht: Der Stolzeste, Selbstbezüglichste unter ihnen opferte alles, was er hatte, dem Aufstand. Dort arbeitete er federführend an der »Fédération« mit, deren wichtigstes Anliegen die Befreiung der Kunst von jeglicher staatlicher Bevormundung war. Während heute Künstler und Künstlerinnen im System der Subventionierung gegeneinander konkurrieren und das – weil Schutz vor dem freien Markt – sogar als fortschrittlich empfinden, sahen es ihre Kollegen in der Commune als das, was es ist: als Akt staatlicher Erpressung und Entmündigung. Courbet und Mitstreiter forderten auch die Abschaffung von Jurys und Preisvergaben sowie die Aufsicht kultureller Institutionen durch die Künstler selbst.


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