Revolutionsgeschichte extra brut

von David Mayer

481 wörter
~2 minuten
Revolutionsgeschichte extra brut
Hans Hautmann
Die österreichische Revolution Schriften Zur Arbeiterbewegung 1917 bis 1920
Mit einem Vorwort von Claudia Kuretsidis-Haider und Manfred Mugrauer Promedia, 2020, 256 Seiten
EUR 19,90 (AT), EUR 19,90 (DE), CHF 26,90 (CH)

Der 2018 verstorbene Historiker Hans Hautmann war einer der wenigen, die als parteigängige Kommunisten in der österreichischen Geschichtswissenschaft eine stabile universitäre Position erklommen. Seine Leistungen auf dem Gebiet der Geschichte der Arbeiterbewegung, der Geschichte des Ersten Weltkriegs oder jener der Strafjustiz wurden ihm von niemandem abgesprochen. Dennoch hoben nicht wenige Kollegen und Kolleginnen bei Nennung seines Namens die Augenbrauen. Zu wenig entsprach er dem Profil der meisten kritischen Historikerinnen seit den 1970er Jahren – das Hineinnehmen der jeweils aktuellen theoretischen Debatten und die zahlreichen modischen Turns interessierten ihn wenig. Seine Rezeptur war alter Schule: Von den vielen Anstößen Marx’ zum Denken über Geschichte nahm er vor allem die Prämisse mit, dass alle Geschichte eine Geschichte von Klassenkämpfen sei. Gestützt auf systematische Quellenforschung führte er dies in einer historischen Erzählsprache zusammen, die extra brut, bisweilen auch von Galle geprägt war. 

Warum solch ein Stil in Österreich als nicht gänzlich satisfaktionsfähig galt, während in allen Universitätsseminaren die British Marxist Historians für ihren Fokus auf soziale Kämpfe und ihre Parteinahme für Akteure »von unten« gepriesen wurden, bleibt erklärungsbedürftig. Ein Grund könnte sein, dass Hautmann beharrlich darauf hinwies, dass 1918 nicht nur das »Ende der Monarchie« oder die »Gründung der Republik« bedeutet hatte, sondern eben eine Revolution gewesen war. Gegen das für Österreich so typische nonchalante Beschweigen dieser Tatsache, auch im sozialdemokratischen Lager, stellte er eine historische Arbeit, die in dieser Revolution nicht nur ein Erbe, sondern eine Tradition sah. Ihm ist es zu verdanken, dass die Rätebewegung für Österreich systematisch rekonstruiert wurde (sein diesbezügliches Buch von 1987 würde eine Wiederauflage lohnen). In dem nun veröffentlichten Band ausgewählter Schriften finden sich gleich mehrere Texte, die eine kompakte Zusammenfassung seiner Arbeiten zur Rätebewegung bieten oder um bestimmte Aspekte erweitern. Besonders interessant, weil über die Grenzen Österreichs hinausweisend: Mit den Herrschenden »russisch« reden über die aktive Aneignung der Oktoberrevolution von unten und Hautmanns Ausführungen über Die österreichische Rätebewegung und Räteungarn.

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