N°9| KULTUR | 01.09.21

Timo Hinze: Kollegiales Unbehagen

 

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VON CHRISTINA TÖPFER

Christina Töpfer ist Chefredakteurin von Camera Austria International.

Ein wenig verunsichert stehen sie beisammen, Die Kollegen in der gleichnamigen Arbeit des deutschen Künstlers Timo Hinze (2017). Als wüssten sie noch nicht ganz genau, wie sie den Phrasen der Motivationsförderung, der Selbstoptimierung und Effizienzsteigerung, die ihnen eingeschrieben sind, gerecht werden sollen. Stand up for yourself. Be the reason someone smiles today. Keep on going. Imagine the impossible. Hinze hat die fünf Zentimeter großen, ungebrannten Tonskulpturen zu Gruppenfotos arrangiert, wie im tatsächlichen Arbeitsleben stehen manche der Figuren zusammen, während andere eher vereinzelt wirken. Sie alle jedoch verbindet der unternehmerische Imperativ, wie er die von Start-ups, Gründerinnen und Ich-AGs geprägte Arbeitswelt spätestens seit Anfang der 2000er Jahre leitet und in unzähligen Erfolgsratgebern, Lehrbüchern und Seminaren vermittelt wurde und wird.

Quelle der Mantras, die die Figuren im wahrsten Sinne des Wortes internalisiert haben, ist das umfassende Bildarchiv des Künstlers, in dem er gefundene Bilder verschiedener Arbeitsräume zusammenträgt. Darin finden sich Einblicke in Büros, Teeküchen und Flure – und in diesen Räumen gut sichtbar an den Wänden angebracht auch jene Motivationssprüche, die die Angestellten womöglich nur mehr am Rande wahrnehmen, die jedoch stets präsent sind und ihren Alltag dadurch subtil begleiten. 


WÖRTER: 290

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