Japanisch, weiblich, autonom

von Sabine Scholl

426 wörter
~2 minuten
Japanisch, weiblich, autonom
Mieko Kawakami
Brüste und Eier
Aus dem Japanischen von Katja Busson Dumont, 2020, 496 Seiten
EUR 24,70 (AT), EUR 24,00 (DE), CHF 33,90 (CH)

Mieko Kawakami wagt, die schwierigen Geschlechterverhältnisse Japans literarisch auszuforschen. Dabei steht der weibliche Körper im Vordergrund. Anhand des Titels ihres Romans, Brüste und Eier, wird deutlich, welche Zwänge die traditionelle Gesellschaft Frauen auferlegt. Obwohl viele von ihnen studieren und von einem selbstbestimmten Leben träumen, wird ihre wahre Berufung vor allem in der Mutterrolle gesehen. Dazu müssen ihre Körper sexuellen Wert haben, um Männer zur Fortpflanzung anzuregen und dann mit Nachwuchs die überalterte Nation zu erlösen. Sobald Frauen schwanger werden, wird erwartet, dass sie ihren Beruf aufgeben und sich vom Ehemann versorgen lassen.

Die Frauen in Kawakamis Roman jedoch haben ihre eigenen Vorstellungen. Das beginnt damit, dass sie aus dem Prekariat stammen und ohne Männer zurechtkommen müssen. Also setzen sie ihre Körper ein, indem sie als Hostessen arbeiten. Schon die Mutter der Protagonistin Natsuko arbeitete in einer Bar. Hostessen müssen für die zahlenden Männer Zuneigung und Unterwerfung spielen. Daher stammt auch die Obsession von Natsukos älterer Schwester, ihren Körper nach der Geburt von Tochter Midoriko wieder in Schuss bringen zu lassen. Unbedingt will sie eine Brustvergrößerung.

Natsuko hingegen zweifelt an sich, weil sie keinen Sex mag. Trotzdem beginnt sie darüber nachzudenken, wie es wäre, ein Kind zu bekommen. Allein. Ohne Beziehung. Sie sammelt Informationen über künstliche Befruchtung. Gleichzeitig tritt sie in eine Diskussion mit zwei Menschen, die so gezeugt wurden und damit hadern, ihren biologischen Vater nicht zu kennen.

Als Natsuko ihre Freundinnen mit dem Kinderwunsch konfrontiert, wiederholen diese mit ihren Gegenargumenten die von der Gesellschaft vorgegebenen Rollenmuster. Auf der Suche nach einem Spender trifft die Kinderwillige auch auf eine Art Samenzombie, der eine bizarre Philosophie des Spermas entwirft, eine Karikatur männlichen Machtbewusstseins: »Ich möchte dieses Sperma, mein fantastisches Sperma […] rausjagen […].«

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