Luiza Margan, Monument in the Making: Rosa Luxemburg, 2021. Aktion im öffentlichen Raum und Serie von Fotomontagen, variable Größe.

Denk- und Mahnmale besetzen den öffentlichen Raum und verweisen auf vergangene Errungenschaften, politische Brüche oder Systemwechsel. Diese symbolischen Einschreibungen macht Luiza Margan zum Gegenstand ihrer Arbeit. Im Zuge ihrer Recherche zur Stadt Freiburg im Breisgau erfuhr die Künstlerin, dass Rosa Luxemburg ebendort im Stadtgarten gegen den nahenden Krieg im Jahre 1914 vor mehreren Tausend Menschen eine Rede hielt. Ein Ereignis, an das in der Stadt bis dahin nicht erinnert wurde – trotz vielfältiger Anstrengungen.

Für ihre Arbeit Monument in the Making: Rosa Luxemburg (2021) nahm Luiza Margan diesen Umstand und ein umstrittenes Siegesdenkmal als Ausgangspunkt. Die von Karl Friedrich Moest geschaffene und 1876 eingeweihte Siegesgöttin Victoria steht am zentralen Europaplatz und erinnert an den Deutsch-Französischen Krieg (1870–1871). Mit ausgestreckten Armen einen Lorbeerkranz haltend versinnbildlicht die Göttin eine Siegerehrung: eine Anerkennungsgeste vergangener Herrschaftsregime. 

Luiza Margan lud Bürger und Bürgerinnen der Stadt auf den Europaplatz ein, um Rosa Luxemburgs Rede für den Frieden zu gedenken. Im Kollektiv banden sie einen überlebensgroßen Kranz aus Lorbeerblättern. Den Hintergrund dieser Aktion bildete ein Transparent mit Wilhelm Praghers Fotografie Die Siegesgöttin auf der Nase. Diese 1962 anlässlich einer Versetzung der Statue gemachte Aufnahme bildet auch den Hintergrund der hier abgebildeten Collage, die gleichfalls den Titel Monument in the Making: Rosa Luxemburg trägt. Mittels Montage erweitert die Künstlerin den ursprünglichen Bildraum, der nun neben der temporär liegenden Skulptur den gemeinsamen Akt des Luxemburg-Gedenkens einschließt. Ist es möglich, statt dem hierarchischen Ritual einer Siegerehrung dem kollektiven Begehren im öffentlichen Raum Ausdruck zu verleihen? Diese Fotocollage schlägt vor, einer Heldin, die den Ersten Weltkrieg zu verhindern suchte, Anerkennung zu zollen und zugleich eine allegorische, den Krieg verherrlichende Figur zu demontieren. Am Ende der Aktion wurde der Lorbeerkranz an jene Stelle im Stadtgarten getragen, an der Rosa Luxemburg einst ihre Rede hielt. 

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