N°3POLITIK | 27.02.20

Die Kinder des Vulkans

In Mexiko spricht ein charismatischer Präsident vom »Ende der neoliberalen Epoche«. Ausgerechnet ein bäuerlicher, indigener Widerstand stellt sich gegen dessen Megainfrastrukturprojekt Proyecto Integral Morelos.

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VON TIMO DORSCH, MORELOS
FOTO: TIMO DORSCH

An jenem Abend kommt er sichtlich stolz und zufrieden nach Hause. Seiner Frau Liliana Velázquez berichtet er, dass der Regierungsvertreter ihm gegenüber klein beigeben musste. Und das auf einer öffentlichen Versammlung. »Der hatte keine Argumente, um mir zu widersprechen«, teilt er ihr mit. Er hatte über die spanische Eroberung gesprochen. Über den Krieg gegen die indigenen Völker. Und darüber, wie sich die Kolonialisierung noch heute in Form des Proyecto Integral Morelos in seinem Bundesstaat Morelos fortsetzt.

Samir Flores Soberanes war nicht nur ein wohlbekanntes Gesicht. Er war als indigener Radiomoderator eine hörbare Stimme des regionalen Widerstandes gegen das höchst umstrittene Infrastrukturprojekt gewesen. Morelos, das ist das Land von Emiliano Zapata, Symbolfigur der Mexikanischen Revolution von 1910 bis 1919.

Wenige Stunden nachdem er Liliana von seinem Triumph erzählt hat, werden im Morgengrauen vor seiner Haustür vier Schüsse auf ihn abgegeben. Zwei Kugeln treffen ihn in den Kopf. Die Täter, Ausführende und Auftraggeber, sind ein Jahr später weiterhin unbekannt. Samir Flores Soberanes wurde am 20. Februar 2019 in der Gemeinde Amilcingo ermordet.


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