N°2POLITIK | 30.01.20

Kein Bruch, nirgends

Die Grünen sind mit ihrem Regierungseintritt dort angekommen, wo sie hingehören. Wer mehr erwartet hat, mag enttäuscht sein, jede Hoffnung aber war lediglich die Folge einer Täuschung.

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VON FRANZ SCHANDL

Das dümmste Wort, das in Zusammenhang mit dem Regierungseintritt der Grünen fallen kann, ist jenes des Verrats. Es erklärt nichts, es überführt die Kritiker geradezu der analytischen Hilflosigkeit. Es vernebelt frühere Illusionen, dient zur Verschleierung alter Fehleinschätzungen. Verrat hieße jedenfalls, dass man die Stehsätze, die geflügelten Worte von gestern nicht bloß gestern ernst genommen hat, sondern immer noch ernst nimmt. Diese Enttäuschung sollte man sich sparen. Der Regierungseintritt der Grünen bringt nur zur Geltung, was Sache gewesen ist. Da ist kein Bruch, nirgends. Das Ergebnis des Salzburger Bundeskongresses von Anfang Jänner, der den Pakt mit der ÖVP besiegelte, ist vielmehr zwingend und logisch gewesen, jenseits jeder Überraschung. Wer meinte, die Delegierten hätten anders abstimmen können, irrt. Es ging lediglich um die Höhe der Zustimmung. 

Züchtigung und Aufzucht

Die Grünen spiegeln heute das linksliberale Segment der Gesellschaft wider. Und zwar besser als die SPÖ. Sie haben einigen Rückhalt in den kulturindustriellen Sektoren (alte und neue Medien, Werbung, Beratungswesen, Kunst etc.), die dieses Projekt, wenn schon nicht in der Konkretion, so doch stets in der Intention mittragen. Das Wort Bündnis indes wäre ein Euphemismus, handelt es sich doch um eine ordinäre Unterwerfung, um ein Machtgefälle der obligaten Art. Hier regiert die kommerzielle Übermacht. Handeln Grüne zuwider, werden sie gnadenlos abgestraft. Nur sehr bedingt gehören sie sich selbst.


WÖRTER: 1850

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