N4REZENSIONEN | 31.03.2021

Tödlicher Schmäh

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VON HAZEL ROSENSTRAUCH

Jura Soyfer 
DER WELTUNTERGANG 
Herausgegeben von Florian Schmidgall, mit einem zweiteiligen Nachwort von Marie-Luise Hiesinger und Herbert Arlt 
Kurpfälzischer Verlag, 2020, 136 Seiten EUR 15,00 (AT), EUR 15,00 (DE), CHF 28,90 (CH)


Passend zur gegenwärtigen Stimmung ist Jura Soyfers Der Weltuntergang neu aufgelegt worden. Sie kennen Jura Soyfer nicht? Oder kennen den Namen und haben schon lange nichts mehr von ihm gelesen, besser noch: gesehen und gehört? 

Jura Soyfer wohnt – oder sollte ich sagen wohnte? – in der Herzkammer der österreichischen Linken. Nicht nur im Österreich der 1930er Jahre, in den Ländern des Exils und nach 1945 in Kellertheatern, auf Studenten- und Kleinkunstbühnen, mit Handpuppen und Gesang wurden seine Stücke aufgeführt. Das Laterndl, die muntere Kleinbühne des Young Austria in London, hatte ihn im Repertoire. Soyfer hatte versucht, in die Schweiz zu fliehen, die Flucht misslang, er landete in deutschen Konzentrationslagern, erst in Dachau, dann in Buchenwald. Sein Dachau-Lied wurde fester Bestandteil antifaschistischer Veranstaltungen – in Österreich, in der DDR, aber auch in Berlin-Kreuzberg und Gelsenkirchen. Ob die Londoner Laien-Schauspieler Anfang der 1940er Jahre wussten, dass Soyfer schon 1939, mit 26 Jahren, in Buchenwald an Typhus gestorben war? Vermutlich kennt Herbert Arlt die Antwort, der Vorsitzende der Jura-Soyfer-Gesellschaft. Er hat über lange Jahre alles zusammengetragen, was über diesen jungen Kommunisten herauszufinden war. 


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