Warten auf den Schrumpfkopf

von Johannes Kaminski

483 wörter
~2 minuten
Warten auf den Schrumpfkopf
Jan Koneffke
Die Tsantsa-Memoiren
Galiani Berlin, 2020, 560 Seiten
EUR 24,00 (AT), EUR 24,00 (DE), CHF 33,90 (CH)

Wie kann ein Autor einer Erzählerfigur gerecht werden, die menschliche Maßstäbe sprengt? Diese Frage stellt sich in Jan Koneffkes Die Tsantsa-Memoiren, welche die Geschichte der Neuzeit Revue passieren lassen – durch die Augen eines Schrumpfkopfs. Dass sich mit ungewöhnlichen Perspektiven die Welt aus den Angeln heben lässt, haben uns die Meistererzählerinnen der Gegenwart vorgeführt: Man denke an das Embryo aus Ian McEwans Nussschale, die hundertjährige Eiche in Ursula Le Guins Erzählung Wegrichtung. Orhan Pamuk macht in Rot ist mein Name die titelspendende Farbe zur Erzählinstanz, James Hannaham sogar die Droge Crack (Delicious Foods). Koneffkes voluminöser Roman bereichert diese Liste um eine Figur, die verspricht, menschliche und nichtmenschliche Akteure in einem neuen Beziehungsgeflecht zu verbinden. Schrumpfköpfe faszinieren, stoßen ab, machen traurig. Einst von feindlichen Kriegern in Südamerika angefertigt und später ein beliebtes Objekt anthropologischen Sammelns, am Ende sogar in den Konzentrationslagern des 20. Jahrhunderts zu finden, dokumentieren sie die Raubkulturen des europäischen Imperialismus wie kein anderes Schaustück und stellen damit Museumskuratoren vor schwerwiegende ethische Probleme. 

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