Abbau über Tage

von Nina Strasser

Was vom Salzbergbau in Tirol übrigblieb, verfällt nach und nach – und gerät damit in Vergessenheit. Der Leiter des Absamer Gemeindemuseums will dies nicht einfach so hinnehmen.


450 wörter
~2 minuten

Die Reste der Industriegeschichte sind in Absam, Hall und Thaur allgegenwärtig, allerdings: Man muss wissen, wo sie zu finden sind. Im Halltal etwa, wo der Salzabbau fast 700 Jahre lang betrieben wurde, liegen die Stollen abseits der Wanderwege. In den Ladhütten, in denen die Arbeiter einst Holz und andere Arbeitsmaterialien abstellten, parken Mountainbikes. Das alte Herrenhaus, nach einem Lawinenabgang teilweise eingestürzt, darf nicht mehr betreten werden. In der Saline in Hall haben sich Betriebe eingemietet, und im ehemaligen Salzlager feiern Hochzeitsgesellschaften. In der Burg Hasegg, vor deren Eingang ein Wasserrad nur dann gespeist wird, wenn sich die Touristen ankündigen, wohnt eine Pensionistin ohne fließend Wasser, und das Gebäude der ersten Salinenverwaltung in der Gemeinde Thaur beherbergt inzwischen Erntehelfer.

Generationen von Einheimischen schufteten ab dem Mittelalter bis zur Schließung des Betriebs im Jahr 1967 unter Tage. Um ihre Lebensumstände zu dokumentieren, reiste 1907 der Journalist Max Winter aus Wien an. Doch heute erinnern an diese Zeit neben einem kleinen Museum der Stadt Hall vor allem private Initiativen wie jene des verstorbenen Hans Spötl. Um die Relikte, die sich in Wohnung und Garten stapeln, kümmert sich seine Witwe. Das Salz hat dem Land Tirol zwar zu Wohlstand verholfen, doch Matthias Breit, Leiter des Gemeindemuseums Absam, attestiert dem, wie er sagt, »sich bäuerlich inszenierenden Tourismusland« mangelndes Interesse am Erhalt der damit verbundenen Erinnerungen. Er initiierte deshalb eine Fotodokumentation des Status quo. Sie solle »vorurteilslos und ohne die von lokalen Akteuren bis heute aufrechterhaltene Legende vom weißen Gold die Überreste der Technik-, Industrie- und Sozialgeschichte des Salzes ins Bild setzen«.

Grubenlampen und ein Bild des Herrenhauses hängen in der Wohnung der Pensionistin Herlinde Spötl in Hall. Ihr verstorbener Mann Hans hat die Relikte des Salzbergbaus gesammelt und ein privates Museum eingerichtet.

Die Autobahnauffahrt teilt das Salinenareal in Hall. Links befinden sich die ehemaligen Bergarbeiterunterkünfte, in denen zum Teil heute noch Nachkommen der Arbeiter leben, rechts steht die alte Saline.

Der Kaisersbergstollen ist einer von acht Hauptstollen, die zwischen 1.300 Meter und 1.600 Meter Seehöhe im Absamer Halltal liegen. Er wurde 1563 angelegt und wie das gesamte Salzbergwerk 1967 geschlossen.

In der Marien-Kapelle beim Knappenhaus wird der Toten gedacht. Die kleine Kirche ist in Privatbesitz und gut erhalten. Baufällig hingegen ist das danebenliegende Herrenhaus, in dem auch die Bergbaubeamten wohnten.

Sieglinde Posch hat als Witwe eines Salinenarbeiters das Mietrecht in der Burg Hasegg. Das Gebäude diente einst als Schutz der Sudanlage und des Schiffsverkehrs. Frau Posch lebt seit 68 Jahren dort, ohne fließend Wasser in der Küche, heizen muss sie mit Holz und Briketts.

Abbau über Tage
Eine Foto-Dokumentation von Nina Strasser
Vom 2. Mai bis 25. Juni 2023 im
Gemeindemuseum Absam in Tirol
Vernissage: Montag, 1. Mai, 19 Uhr
www.absammuseum.at

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