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Ambivalente Nostalgie

von Simon Stockinger

149 wörter
~1 minuten
Ambivalente Nostalgie
Cédric Weidmann
Antizipation der Nostalgie
Das Kalkül der Verklärung von Sprache und Kapital
Verbrecher, 2025, 560 Seiten
EUR 32,90 (AT), EUR 32,00 (DE), CHF 38,00 (CH)

Dass Nostalgie eine wahre Triebkraft kultureller Produktion ist, fehlt als Beobachtung heute in kaum einer Kulturanalyse. Zahlreiche Autor:innen haben ebendies ins Zentrum ihrer kritischen Gesellschaftsdiagnosen gestellt: u. a. als »Retromanie« (Simon Reynolds), als »Retrotopia« (Zygmund Baumann), als »Anglo-Nostalgia« (Edoardo Campanella/Marta Dassù), als »restaurative vs. reflective nostalgia« (Swetlana Boyms) oder – emanzipatorisch gewendet – als »Hauntologie« (Mark Fisher). Komplizierter wird die Sache dort, wo auch Zukunftsvisionen von dem Phänomen heimgesucht werden. Eben darum geht es dem Literatur- und Kulturwissenschaftler Cédric Weidmann in seinem Buch Antizipation der Nostalgie.
Nostalgie fasst er darin als Kulturtechnik, die kalkuliert mit Verklärung arbeitet, um damit wiederum »Antizipation« zu gestalten: Nostalgie ventiliert kalkulierte Erwartungen, die stets artifiziell und politisch instrumentell sind. Das kann der herrschenden Ordnung sowohl dienstbar als auch gefährlich sein: Nostalgie kann die Vergangenheit also sowohl reaktionär verklären als auch historisch uneingelöste Sehnsüchte (re-)aktivieren.

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