N°12 | POLITIK | 31.10.19

Fragen an die deutsche Erinnerungspolitik

Will man vom Leben in der DDR erzählen, greifen die Denkfiguren Täter, Mitläufer und Opfer schlicht zu kurz. Dreißig Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer wäre es an der Zeit, die Aufarbeitung der DDR-Geschichte aufzuarbeiten.

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VON KARSTEN KRAMPITZ


1986 – drei Jahre vor dem Fall der Berliner Mauer im November 1989 – schrieb der Journalist Theo Sommer: »Das Totalitäre an der DDR ist nicht alldurchdringend.« Das Diktatorische mache sich vor allem unten bemerkbar, »überspitzt bemerkt: Mit Honecker kann man reden; mit dem Parkwächter an der Wartburg nicht.« Eine Beobachtung, die so wohl nicht alle DDR-Bürger geteilt haben. Der Historiker reibt sich die Augen: Einer der einflussreichsten Journalisten in der Geschichte der Bundesrepublik schwärmte von der Beliebtheit Erich Honeckers: »Die Bürger des anderen deutschen Staates bringen ihm fast so etwas wie stille Verehrung entgegen; in Gesprächen schlägt sie immer wieder durch.« Mit wem genau Sommer gesprochen hatte, ließ er offen.


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