N°2POLITIK | 30.01.20

Die zwei Bolivien

Seit den Präsidentschaftswahlen am 20. Oktober letzten Jahres haben sich die Ereignisse in Bolivien überschlagen. Mittlerweile geht es um nichts Geringeres als die Frage, wer die Zukunft des Landes repräsentiert.

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VON TOBIAS BOOS, LA PAZ / EL ALTO

Die Fotografien auf diesen Seiten stammen von der bolivianischen Fotografin Andrea Martinez und wurden im November 2019 in La Paz / El Alto aufgenommen.

Es ist bereits stockdunkel, als wir in der Seilbahn hinunter nach La Paz gleiten. Wegen der verspäteten Ankunft am Flughafen in El Alto hätten wir beinahe die letzte Gondel verpasst. Trotz dicker Winterjacke ist es eiskalt. Unbenommen der vielen Lichter, die von der dichten Besiedlung zeugen, herrscht eine klandestine Stille. 

Von der österreichischen Firma Doppelmayr erbaut und seit 2014 in Betrieb, ist der Teleférico eines der Prestigeprojekte der ehemaligen Regierung Evo Morales: öffentliches Verkehrsmittel und symbolische Verbindung zwischen La Paz und El Alto. Jene zwei Nachbarstädte, die auf den ersten Blick nahtlos ineinander überzugehen scheinen. Die politischen Klüfte zwischen diesen beiden Welten haben sich den letzten Wochen hingegen erneut aufgetan. Anders als im Nachbarland Chile und in Ecuador rebelliert das Volk nicht gegen die Regierung, sondern die gesellschaftlichen Spaltungen gehen quer durch die bolivianische Bevölkerung.

»Die Lage in den barrios populares ist dramatisch«, erzählt Ignacio »Nacho« Levy. Nacho ist ein bekannter Basisaktivist und der Mitherausgeber einer Kulturzeitschrift aus eben jenen Vierteln in Argentinien. Wir sind einander zufällig im Flugzeug begegnet. Gekommen sei er, um darüber zu berichten, worüber die bolivianische und internationale Presse nicht spreche: »Wir sind hier aktuell nicht gern gesehen«. Und tatsächlich vermittelt die ganze Szenerie in der Nacht von La Paz das Gefühl einer illegalen Geheimmission.

Dekretierte Straflosigkeit

Ende November ist die Gemengelange in La Paz unübersichtlich. Benzin und einige Lebensmittel sind bedingt durch Straßenblockaden Mangelware. In der Woche davor hat die Repression durch die De-facto-Regierung von Jeanine Áñez ihren Höhepunkt erreicht. Die verschärfte Versorgungslage hatte das Militär zunächst dazu veranlasst, die Blockade einer Gasspeicherstation in Senkata in El Alto gewaltsam aufzulösen. Acht Menschen wurden beim »Massaker von Senkata« getötet, zahlreiche wurden verletzt. Die Gesamtbilanz des Vorgehens von Militär und Polizei ist nach kaum zwei Wochen Amtszeit der Regierung Áñez bestürzend. 32 Tote, 832 Verletzte und 1513 Festgenommene zählt die entsendete Delegation des Parlasur bis Ende November. Die »Interamerikanische Kommission für Menschenrechte« spricht von schweren Menschenrechtsverletzungen, die weitergehender Untersuchungen bedürfen. Gedeckt wurde das Vorgehen der Sicherheitskräfte durch ein Dekret der De-facto-Präsidentin, die den Militärs, die bei der »Herstellung der inneren Ordnung und öffentlichen Stabilität« helfen, Straffreiheit zusicherte. Erst später muss Áñez das Dekret auf internationalen Druck hin wieder zurücknehmen. Während wir La Paz immer näherkommen, regiert noch die dekretierte Straflosigkeit.


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In den Wochen zuvor war die Frage »Putsch oder kein Putsch?« in der internationalen Presse rauf und runter diskutiert worden. Politikwissenschaftliche Definitionen wurden gewälzt, statistische Wahrscheinlichkeiten von Wahlergebnissen modelliert, abwägende Meinungskolumnen geschrieben. Die MAS-Regierung von Evo Morales hat in den Jahren zuvor soziale Bewegungen demobilisiert, Organisationen gespalten und mit den alten Eliten paktiert. Die kommenden Tage werden jedoch keinen Zweifel am Charakter der neuen Regierung lassen: Es ist eine Atmosphäre des Misstrauens, der Repression und Angst, die in der Luft liegt. Eine Stimmung des kleinteiligen Terrors, die körperlich spürbar ist. 

Glaubwürdigkeitskrise 

Seit den Präsidentschaftswahlen am 20. Oktober letzten Jahres haben sich die Ereignisse in Bolivien überschlagen. Als das System der vorläufigen Stimmauszählung in der Wahlnacht bei 83 Prozent der Stimmen angekommen war, stoppte es. Bereits an diesem Punkt divergieren die Versionen über die Vorkommnisse. Wer hat den Stopp veranlasst? War er vorgesehen? Kann der sprunghafte Anstieg der Stimmen für Evo Morales statistisch erklärt werden? Schließlich bescheinigte die amtliche Auszählung Evo Morales (47,08 Prozent) einen Vorsprung von über zehn Prozent vor dem Zweitplatzierten Carlos Mesa (36,51 Prozent) und somit den Sieg in der ersten Wahlrunde. Ein Wahlsieg von Morales in einer Stichwahl galt als unwahrscheinlich. 

Schon während der Auszählung der Stimmen kam es zu Protesten, bereits vor der Wahl hatte die Opposition die Idee eines Wahlbetrugs lanciert. Die Regierung Morales kommunizierte während der Tage nach der Wahl äußerst unglücklich. Und sehr früh meldete die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) Zweifel am Wahlergebnis an. Auch wenn sie in den Folgewochen keine ausreichende technische Begründung lieferte, war Bolivien bereits in einer politischen Sackgasse angekommen. Der berechtigte Unmut darüber, dass sich der amtierende Präsident Evo Morales über das verlorene Referendum von 2016 hinweggesetzt hatte und erneut angetreten war, war zu einer allgemeinen Glaubwürdigkeitskrise angewachsen. Und so konnten weder die Zustimmung zu einem Audit durch die OAS noch die durch Morales angekündigten Neuwahlen diejenigen Kräfte stoppen, die aktiv einen Putsch vorantrieben. Am 9. November meuterte die Polizei in La Paz und anderen Städten. Einen Tag später »legte« die Armee dem amtierenden Präsidenten seinen Rücktritt »nahe«. Evo Morales floh aus dem Land. Und schließlich ließ sich die rechte Senatorin Jeanine Áñez zwei Tage später vor einem fast leeren Kongress von den Militärs zur Präsidentin dekorieren. In ihrem anschließenden Auftritt, der an eine mittelalterliche Prozession erinnerte, reckte sie dem Publikum eine riesige Bibel entgegen und verkündete: »Gott hat es möglich gemacht, dass die Bibel in den Palast zurückgekehrt ist«. 

La Paz

Der Palacio Quemado, wie er im Volksmund genannt wird, liegt im Zentrum von La Paz an der Plaza Murillo. Bis zum Umzug 2018 in das neuerbaute Große Haus des Volkes diente er als Amtssitz des Präsidenten. Am Tag nach meiner Ankunft ist das Szenario rund um den Platz beklemmend. Die Straßenblocks im Umkreis sind abgesperrt. Die teilweise improvisierten Barrikaden aus Wellblech lassen jegliche Form der staatlichen Repräsentativität vermissen. Militarisierte Polizisten lungern wie Wegelagerer an den Straßenecken. Die eigene physische Integrität scheint hier unter permanenter Bedrohung. An eines der Bleche hat jemand ein Plakat befestigt. »Vergiss nicht für dein Bolivien zu beten«, ist darauf zu lesen.

»SYMBOLIK UND POLITISCHE REFERENZPUNKTE HABEN SICH NACH DER WAHL ZUNEHMEND VERÄNDERT. DIEJENIGEN, DIE EINE ÜBERPRÜFUNG DER AUSZÄHLUNG EINKLAGTEN, WICHEN SOLCHEN, DIE EINE NEUWAHL FORDERTEN. SCHLIESSLICH ÜBERNAHMEN JENE, DIE ES AUF MEHR ABGESEHEN GEHABT HATTEN.«

Symbolik und politische Referenzpunkte haben sich im Anschluss an die Wahl zunehmend verändert. Diejenigen Stimmen, die eine Überprüfung der Auszählung einklagten, wichen solchen, die eine Neuwahl forderten. Schließlich übernahmen jene Akteure, die es von Beginn an auf mehr abgesehen gehabt hatten. Mit der Radikalisierung der Forderungen veränderten sich auch die sichtbaren Führungsfiguren der Opposition. Der Zweitplatzierte Carlos Mesa verschwand in der Versenkung. Stattdessen übernahm Luis Fernando Camacho: Unternehmer aus Santa Cruz, christlicher Fundamentalist, politisch sozialisiert in der Unión Juvenil Cruceñista, eine Art paramilitärische Organisation, die faschistischem Gedankengut nahesteht. Sie fungiert im reichen Departamento im Süden des Landes als Stoßtrupp der weißen und wohlhabenden Unternehmerinnen. Ihren Anhängern wird nachgesagt, rassistische Überfälle auf Indigene zu verüben. Camacho steht sinnbildlich für jene alten Eliten des Landes, in denen sich Christentum, Herrendenken und Kolonialismus zu einer der ältesten Formen einer White-Supremacy-Gesinnung vermischen. Camacho war es, der noch vor dem Putsch und unter Mithilfe der Sicherheitskräfte in den früheren Regierungspalast eindrang, die Bibel auf eine bolivianische Flagge bettete und vor dieser niederkniete. Nach ihrer Ernennung verlegte Áñez den Regierungssitz kurzerhand zurück in den alten Kolonialbau. 

Reichlich Kritik

Die Plaza Avaroa liegt im Stadtteil Sopocachi von La Paz. Die Mittelklasse der Stadt trifft sich gerne in den umliegenden Cafés und Bars. Auch Touristen schätzen den Stadtteil aufgrund seines gastronomischen Angebots und der guten Lage. An den Wänden des Platzes prangen die Überbleibsel der Ereignisse, die auf die Wahl folgten: »Betrug«, »Evo Diktator«, »Evo bitte wasch’ dich« haben einige Teilnehmerinnen an die Mauern gesprüht. Direkt am Platz liegt die Oberste Wahlbehörde. Das Verteidigungsministerium befindet sich ebenfalls hier, einen Block weiter ist das Polizeihauptquartier stationiert. Spaziert man auf den engen Gehsteigen rund um den Platz, drängen sich permanent Polizisten und Soldaten an einem vorbei, unterdessen sie von einem Gebäude zum nächsten eilen. Doch während die Präsenz der Uniformierten in zwei Kilometern Luftlinie Entfernung kaum Luft zum Atmen lässt, scheint sich hier niemand an ihr zu stoßen. Hier sendet der Staat die Signale einer geschäftigen Verwaltung aus. 


Im Zentrum von La Paz an der Plaza Murillo sucht ein jugendlicher Demonstrant unter einem Verkaufsstand Schutz.

»Die zwei Bolivien«, nennt das Mario. Er ist Basisaktivist in El Alto. »Die beiden koexistieren nebeneinander, aber berühren sich nicht«, erklärt er. Wir sitzen wenige Blocks weg von der Plaza auf den Stiegen eines versperrten Hauseingangs. In ein Café wollte er nicht. Während unseres gesamten Gesprächs entscheidet er nach einer kurzen Musterung der Vorübergehenden, ob er weiterspricht oder kurz innehält. 

Auch er hat reichlich Kritik an der MAS-Regierung. Der Wiederantritt von Evo war für ihn unverständlich, die MAS-Regierung habe viele Fehler begangen, ihre politische Kapazität hält er für teilweise erschöpft. Gleichzeitig scheint er zutiefst getroffen von den Ereignissen der letzten Wochen. Der Revanchismus und die Geschwindigkeit, mit der Rassismus und alte Spaltungen in den letzten Wochen zurückgekehrt sind, haben Mario überrascht. Aber auch so manche Wortmeldungen von linker Seite, die in den letzten Wochen mehr oder weniger direkt Evo Morales die Schuld am Putsch zugeschoben haben, stoßen ihm bitter auf. »Es gibt eine Unfähigkeit, auch unter linken Intellektuellen, zu lesen, was in El Alto aktuell passiert«, sagt er. Die wenigsten hätten es hinaufgeschafft in die Nachbarstadt im Altiplano. Innerhalb der Linken hat sich eine Kluft aufgetan, die in Zukunft schwer wieder zu schließen sein wird. 

Offene Rechnungen


Der Konflikt liege tiefer als die Auseinandersetzung um die Wahlen, meint Mario. Mittlerweile ginge es um nichts Geringeres als die Frage, wer das konstitutive Subjekt Boliviens repräsentiere. »Das Bolivianische« gegen »das Plurinationale«, die liberale Demokratie gegen das Kommunitäre. Die ciudadanía, die Bürgerschaft, welche zu Beginn der Proteste stark präsent war, steht der mestizischen Mittelklasse viel näher, als die korporativen und kommunitären Organisationsformen, die tief in der Geschichte der popularen Klassen des Landes verankert sind. Doch die Protagonistinnen wurden im Laufe der Proteste immer »weißer«. Die Figur des mestizo wurde zunehmend durch ein weißes und koloniales Herren-Subjekt ersetzt. Dieses begleicht jetzt seine offenen Rechnungen.

Police force try to calm down protestors near El Alto airport that were triying to stop the arrive of Luis Fernando Camacho to La Paz city. November 7, 2019: El Alto – Bolivia. Andrea Martinez

El Alto

La Paz liegt in einem riesigen Kessel auf 3600 Metern Höhe. Die ockerfarbenen Felsen verschwinden unter der dichten Besiedlung, die sich die Hänge hinaufzieht. Steigt man in eine der drei Linien des Teleférico, die rauf aufs Altiplano in 4000 Metern führen, gleitet man über ein Labyrinth an Hinterhöfen und Stiegengängen. Im Augenblick, in dem die Gondel über die Kante des Kessels gleitet, offenbart sich ein Meer aus roten Backsteinbauten, das sich nicht enden wollend über die Hochebene zieht: El Alto, geschichtsträchtiger Ort unzähliger indigener Aufstände, heute Herzstück des aymarischen Wirtschaftswunders, das die Morales-Jahre mit sich brachten. Ende des 18. Jahrhunderts belagerten die Aufständischen unter der Führung Tupaj Kataris die Kolonialherrscher in La Paz über 180 Tage lang. 2003 war El Alto das Epizentrum des Gaskriegs und Hochburg jener Widerstandsbewegungen, die Evo Morales 2006 zum Präsidenten machten. Die räumliche Anordnung vermittelt das Gefühl eines permanenten Belagerungszustands. Bis heute umgibt El Alto eine beinahe mystische Aura, die sich aus der plebejischen Macht speist, die hier schlummert. Hört man den Erzählungen vieler Paceños zu, fühlt man sich an Wiener Zeitzeugnisse zu Beginn des 20. Jahrhunderts erinnert. In einer Mischung aus Ekel und Faszination blickte man hinüber in die Arbeiter- und Elendsviertel jenseits des ehemaligen Linienwalls. Machten sich die vermeintlich amorphen Massen auf, den heutigen Gürtel zu überqueren, ging Angst und Schrecken um im Wiener Bürgertum.

»VON DEN ›HORDEN DER MAS‹ UND ›DEN MASSEN, DIE HINABSTEIGEN‹, UM DIE STADT ZU PLÜNDERN, WAR IN DEN PROTESTWOCHEN ZU LESEN GEWESEN. DER DISKURS DER PUTSCHREGIERUNG HAT VERFANGEN. FERNANDO MOLINA SPRICHT IN DIESEM ZUSAMMENHANG VON EINER ›UNMITTELBAREN HEGEMONIE‹«.

Ein Gringo wäre in El Alto nicht gern gesehen, hatte man mir gesagt. Dementgegen werde nicht nur ich, sondern auch die ausländischen Journalistinnen und Menschenrechtsdelegationen, die sich in den nächsten Tagen nach El Alto aufmachen sollten, dankbar empfangen. Die Leute wollen ihre Version der Dinge erzählen, denn viele sind empört über die Berichterstattung der bolivianischen Medien. »Wir waren mit einigen wenigen anderen lokalen Radios die einzigen, die in Senkata vor Ort waren«, berichtet die Aktivistin eines Stadtteilradios. Sie war sowohl während des Massakers in El Alto als auch zwei Tage später bei dem Trauermarsch nach La Paz vor Ort. Das Militär deckte die Marschierenden mit Tränengas ein. Die Bilder der in Panik zurückgelassenen Särge gingen um die Welt. Schockiert zeigt sich die Aktivistin über die Folgen der medialen Berichterstattung. Hass sei ihnen entgegengeschlagen, viele Paceños hätten das Vorgehen der Sicherheitskräfte befürwortet. »Das war doch ein Trauermarsch, keine politische Demonstration«, beklagt sie.

Auch die Menschen in El Alto wurden von der Geschwindigkeit der Ereignisse überrollt, hörten Gerüchte über Plünderer, die auf dem Weg in ihr Barrio seien. Doch diese Ängste fanden weitaus weniger Gehör. Die Lage ist kompliziert. Regierungskritische Stimmen werden als »MASista« denunziert, erzählt mir die Aktivistin. Das Kulturzentrum des Radios erhält Drohungen über die sozialen Netzwerke. Dabei gab es deutliche Differenzen mit der Regierung Morales und die Aktivisten verurteilen das Vorgehen der MAS-Organisationen in El Alto während der letzten Wochen. 

»Unmittelbare Hegemonie«

Die Besitzerin des kleinen Restaurants um die Ecke meiner Unterkunft sieht das alles ganz anders. Zum Randalieren seien »die runtergekommen«, winkt sie ab. Von den »Horden der MAS« und »den Massen, die hinabsteigen«, um die Stadt zu plündern, war in den Protestwochen des Öfteren zu lesen gewesen. Der Diskurs der Putschregierung hat bereits verfangen. Nach der Repression schrieben sie von »Kreuzfeuern« zwischen Demonstranten und der Armee; von bewaffneten Terroristen war die Rede. Der bolivianische Journalist und Autor Fernando Molina spricht in diesem Zusammenhang von einer »unmittelbaren Hegemonie«. Während die Morales-Regierung Medien über Anzeigengeschäfte domestizieren musste, ergibt sich die Unterstützung der großen Verlagshäuser für die Regierung Áñez aus deren ureigenen ökonomischen Interessen. 

Anfang Jänner kündigte die Regierung Neuwahlen an. Sie sollen am 3. Mai stattfinden. Evo Morales und seinem Vizepräsidenten Álvaro Marcelo García ist die Teilnahme untersagt, nicht jedoch der MAS. Diese versucht nach den turbulenten letzten Wochen, wieder zu sich zu finden. Viele ihrer wichtigsten Funktionäre sind abgetaucht, anderen droht die De-facto-Regierung offen. Die MAS war immer mehr ein Konglomerat an Organisationen mit teilweise stark divergierenden Interessen als eine einheitliche Partei. Evo Morales, bei dem die Fäden zusammenliefen, ist nun nicht mehr da. Unterdessen hat der Widerstand jenseits der MAS noch keinen organisatorischen Ausdruck gefunden. Wahlentscheidend wird wohl sein, ob es die Rechte schafft, eine gemeinsame Kandidatur aufzustellen. Und ob sich diese Mischung aus permanenter Angst und Anspannung, aus Desorientierung und Misstrauen, auf welche die De-facto-Regierung von Áñez baut, bis zum Wahltermin hält. Sie könnte sich als fruchtbarer Boden für jene Stimmen erweisen, die sich eine starke und ordnende Hand wünschen. 

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