N°3REZENSIONEN | 01.03.21

Schweigende Dichterinnen auf dem Mars

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VON STEFAN SCHMITZER

Asja Bakić
Mars
Aus dem Kroatischen von Alida Bremer
Verbrecher Verlag, 2021, 170 Seiten
EUR 20,60 (AT), EUR 20,00 (DE), CHF 26,90 (CH)


Das Mindeste, was sich über die zehn Erzählungen der kroatischen Autorin Asja Bakić (ins Deutsche übertragen von Alida Bremer) sagen lässt, ist, dass die Sammlung Mars auch solche Leser nicht langweilen wird, die normalerweise fetten Romanen oder, gegenläufig, Gedichten und experimentellen Formen den Vorzug geben: Der Band ist einerseits romanhaft auf das Durcharbeiten von zwei Motiven – oder zwei Seiten eines Motivkomplexes – hin organisiert; andererseits geben die einzelnen Prosastücke auch formal mehr her, als dem Mindestanspruch zu genügen. Keiner der Texte ist völlig frei von Genre-Elementen verschiedener Subkontinente der Fantastik, doch die je aufgerufenen Genrekonventionen dienen hauptsächlich als Set-up-Vehikel, und häufig ist die Vermittlung zwischen »hoher Literatur« und (Genre-)Wirklichkeit nicht einfach Subtext, sondern greifbarer Gehalt der Geschichten. 

Das geht, weil Literatur nicht nur Bakićs Medium, sondern auch ihr Gegenstand ist – die erwähnte motivische Klammer ist nämlich, angenehm deutlich, das Ausüben von Macht; und zwar zum einen Macht in und über Erzähltexte(n), Macht als souveräne Geste der Schriftstellerinnen, Journalistinnen oder durch Umstände zum Erzählen gezwungenen Frauen (wobei Bakićs Erzählgleichungen auch das Vorhandensein und die genaue Natur eines Gegenübers, einer so oder so gearteten Lese-Öffentlichkeit mit einbeziehen); zum anderen Macht als Kontrolle über Frauenkörper – also: als die Kontrolle anderer, oder, im Gegensatz, als die eigenständige, selbstsichere Körperbeherrschung von Frauen, die, entsprechend den fantastischeren Elementen der Settings, Effekte von technologischer beziehungsweise Zaubermacht zeitigt.


WÖRTER: 378

LESEZEIT : ca. 2 MINUTEN

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