Shona Illingworth: Ein Menschenrecht auf Luft- und Weltraum

von Margit Neuhold

»Bilder der Auseinandersetzung« 20/2022. In Zusammenarbeit mit »Camera Austria International«.

Shona Illingworth, Still aus: Topologies of Air, 2021. 3-Kanal-HD-Video und Soundinstallation, 45’. Courtesy: die Künstlerin.

Das Bild zeigt einen überwachten und vermessenen Luftraum: Auf dem Radarbildschirm einer Flugleitzentrale in der Golfregion sind eine Küstenlinie, Wegpunkte, fünf Flugzeuge und ihre berechneten Flugrouten zu sehen. In Topologies of Air (2021) untersucht Shona Illingworth die Auswirkungen des sich beschleunigenden geopolitischen, technologischen und ökologischen Wandels auf die Beschaffenheit und Nutzung des Luftraums. Dieser ist kein offener Raum, der sich durch territoriale Grenzen definieren lässt, sondern ein komplexer kultureller und rechtlicher Raum mit einer vielschichtigen Geschichte und einer sich schnell verändernden Gegenwart. Das machen Gespräche mit Wissenschaftern, Forscherinnen, Juristen, Philosophinnen, Ökonomen und Astrophysikern sowie Archivmaterial und Filmaufnahmen aus verschiedenen Teilen der Welt sichtbar.

Das damit verwobene Projekt Airspace Tribunal (gegründet von der Künstlerin und Nick Grief, einem Anwalt für Völker- und Menschenrechte) fordert ein neues Menschenrecht: das Recht, ohne physische oder psychische Bedrohung von oben leben zu können. Öffentliche Hearings erfolgten in Zusammenarbeit mit dem Europäischen Zentrum für Verfassungs- und Menschenrechte und fanden bislang mit Menschen, die dieser Gewalt ausgesetzt waren, und internationalen Vortragenden aus Bereichen wie Geopolitik, Klimawandel, künstliche Intelligenz oder Menschenrechte in London, Sydney, Toronto und Berlin statt. Auf dieser Basis wird aktuell ein Dossier für den Vorschlag eines solchen neuen Menschenrechts erarbeitet, das in einer Sonderausgabe des Journal of Digital War publiziert werden soll und so zur weiteren Beteiligung der Öffentlichkeit einlädt. In weiterer Folge soll es auch den Vereinten Nationen und Gremien wie dem Europarat vorgelegt werden. Illingworth versteht die Menschenrechte als eine gemeinsame, auf Gleichheit und Empathie basierende Sprache und nutzt mit dem Airspace Tribunal die Mittel der Kunstproduktion, um für Menschenrechte in kollektiver Weise einzutreten.

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