Stillgestanden!

von Kathrin Niedermoser

Bundesheersoldaten sollen als Quereinsteiger gegen den Lehrkräftemangel dienen – eine fatale Entwicklung.

In trauter Zweisamkeit stellten sich Bildungsminister Martin Polaschek und Verteidigungsministerin Klaudia Tanner, beide ÖVP, Anfang August vor die Presse und kündigten eine verstärkte Kooperation der beiden Ministerien an. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. So will der Bildungsminister dem seit Jahren bestehenden und hausgemachten Lehrermangel nun mit dem Bundesheer zu Leibe rücken. Zwar schickt er (vorerst) keine Panzer in die Schulen, will aber in Zukunft ausrangierte Soldaten zum Quereinstieg ins Lehramt motivieren, schließlich wären diese »eine spannende Zielgruppe«.

Nun fallen einem spontan viele Berufsgruppen ein, die aufgrund ihrer Qualifikation und Erfahrung wohl besser dazu befähigt sind, Kinder und Jugendliche zu unterrichten – doch damit nicht genug, es finden auch die Themen »umfassende Landesverteidigung« und »Bundesheer« Eingang in die neuen, ab September geltenden Lehrpläne für die Mittelschule und die AHS-Unterstufe.

Dies begründet Polaschek übrigens mit der aktuellen geopolitischen Lage. Was liegt angesichts des Krieges Russlands gegen die Ukraine auch näher, als Kindern und Jugendlichen das Bundesheer schmackhaft zu machen? Damit wirklich alles seine Ordnung hat, wurden bereits im Vorjahr zwei Offiziere in die Schulbuchkommission entsandt. So soll die »umfassende Landesverteidigung« nicht nur etwa in Geschichte oder Politischer Bildung vermittelt werden, sondern auch über mathematische Textaufgaben, deren Komplexität zivile Expertinnen offenbar nicht gewachsen sind.

Nun fällt es schwer, sich angesichts dieses bildungspolitischen Coups nicht im Verfassen zynischer Textaufgaben zu verzetteln. Ganz so witzig ist das Ganze dennoch nicht, bedenkt man, dass seit Jahren unzählige sinnvolle Vorschläge auf dem Tisch liegen, um dem Lehrkräftemangel nachhaltig entgegenzuwirken und Schulen zu besseren Orten zu machen. Vorschläge, die noch jedes Mal geflissentlich ignoriert worden sind. Nicht zuletzt aber reiht sich das Ganze in die vielbeschworene »Zeitenwende« ein. Zwar liefert Österreich – dank der Neutralität – kein schweres Geschütz an die Ukraine, aber der Jubel über Waffenlieferungen durch andere europäische Länder und der Beifall für die martialische Inszenierung der ukrainischen Führung erschallen auch hier. Kriegstreiberei liegt voll im Trend. Wo, wenn nicht in den Schulen, fängt man am besten damit an?

»Kriegstreiberei liegt voll im Trend. Wo, wenn nicht in den Schulen, fängt man am besten damit an?«

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