Noch einmal
Jugoslawien

von Marko Dinić

Illustration: Dani Maiz

Um den russischen Angriff auf die Ukraine und andere aktuelle Konflikte besser einordnen zu können, wäre ein Blick auf den Jugoslawienkrieg hilfreich.


685 wörter
~3 minuten

V or kurzem hatte mich eine Diskussion auf Ö1 über den Ukra­ine-Krieg dazu verleitet, das erste Wutmail in meinem Leben zu verfassen. Anlass gab mir eine Aussage der Moderatorin, in der sie ihre Zuhörer darauf hinwies, dass die von der russischen Armee vollzogene Belagerung Mariupols, auf welche die Teilzerstörung der Stadt am Asowschen Meer folgte, dass dieses Kriegsverbrechen also einige Kommentatoren in den einschlägigen deutschsprachigen Medien an die Schlacht von Verdun erinnerte. Man muss, glaube ich, nicht Politik- oder Geschichtswissenschaften studiert haben, um zu erkennen, wie einfältig, ja gefährlich ein solcher Vergleich ist: nicht nur, dass es höchstwahrscheinlich keine lebenden Zeugen mehr gibt, die die Schrecken von Verdun mit eigenen Augen sahen und sich aktiv daran erinnern könnten; der Vergleich überdeckt auch die Tatsache einer weitaus kürzer zurückliegenden Belagerung, in der man eine Entsprechung zu der Mariupols eher hätte finden können. Dass man ausgerechnet im deutschsprachigen Raum einen Vergleich mit der Blockade Leningrads scheute, sei der Erschöpfung geschuldet, die so eine gewissenhafte, allein dem Selbstzweck dienende Aufarbeitung der eigenen Geschichte mit sich bringt.

Jetzt weiterlesen? Das sind Ihre Optionen.

AKTUELLES
HEFT KAUFEN

Jetzt kaufen
Erhalten Sie um nur 8,50 Euro Ihren Online-Zugang zu allen Beiträgen dieser Ausgabe. Das gedruckte Heft erreicht Sie demnächst per Post.

JETZT
ABONNIEREN

Zu den abos
Mit einem Abo lesen Sie das TAGEBUCH online unlimitiert. Jede gedruckte Ausgabe erhalten Sie, je nach Modell, bequem per Post. Ab 29 Euro.
0

    Warenkorb

    Ihr Warenkorb ist leerZurück zum Shop