Unsichtbare
Arbeit

von Matthias Schnetzer

Illustration: Dani Maiz

DATENDRANG #8 | Es gibt große geschlechtsspezifische Unterschiede bei bezahlter Erwerbsarbeit und unbezahlter Sorgearbeit im Haushalt.


259 wörter
~2 minuten

N ach jahrelangem politischem Geplänkel, zähem Ringen um die Finanzierung sowie Forderungen aus Wissenschaft und Zivilgesellschaft hat die Statistik Austria Ende 2023 die neue Zeitverwendungserhebung veröffentlicht. Sie bietet Einblicke in den Tagesablauf von Menschen und misst den Zeitaufwand für Tätigkeiten von Erwerbsarbeit, über Schlaf und Körperpflege bis hin zu Kinderbetreuung und Hausarbeit. 13 Jahre nach der letzten Erhebung gibt es somit erstmals wieder Daten zur statistisch verborgenen Sorgearbeit in Österreich.

Die Erhebung zeigt große geschlechtsspezifische Unterschiede vor allem bei bezahlter Erwerbsarbeit und unbezahlter Sorgearbeit im Haushalt. Im Durchschnitt aller mehr als zehn Jahre alten Personen sind Männer eine Stunde und 52 Minuten pro Tag länger in Erwerbsarbeit als Frauen, während Frauen täglich eine Stunde und 41 Minuten mehr an Hausarbeit und Kinderbetreuung verrichten als Männer. Die ungleiche Aufteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit bedeutet für Frauen oft ökonomische Abhängigkeit und materielle Benachteiligung bis ins Pensionsalter. Neben den Aushandlungsprozessen im Haushalt spielen auch soziale Normen und der institutionelle Rahmen eine Rolle, etwa die Verfügbarkeit von Kinderbetreuungseinrichtungen oder das Pflegesystem.

Eine politische Diskussion erfordert fundierte Daten. Statistiken haben allerdings oft eine geschlechtsspezifische Datenlücke, einen Gender-Data-Gap, wie Caroline Criado-Perez eindrucksvoll in ihrem Buch Unsichtbare Frauen darlegt. Sorgearbeit in Haushalt und Familie ist also meist nicht nur weiblich und unbezahlt, sondern auch unsichtbar. Während die systematisch erfasste Erwerbsarbeit in herkömmlichen Maßzahlen zur Wohlstandsmessung einfließt, bleibt die gesellschaftlich wertvolle und notwendige unbezahlte Sorgearbeit unberücksichtigt. Jetzt liegen neue Daten vor – und damit sollte die politische Diskussion Fahrt aufnehmen.

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