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Foto: Christine Pichler

Bitteres Popcorn

von Kian Kaiser

Der Kuseng: Privat politisch #2


370 wörter
~2 minuten

Ich war unlängst im Kino. In keinem dieser kleinen unterstützenswerten Kinos, in denen der Verzehr von Snacks als moralisches Versagen gilt und man mahnende »Pschts« von Kinoconnaisseur:innen erntet. Nein, sondern in einem dieser Riesentanker, in denen der Film Nebensache ist und das Knuspern Programm.

Hier bestellt man nicht, sondern rüstet sich aus. Mit Größen, die weniger nach Gusto klingen, sondern nach Durchhaltevermögen. Eimer statt Tüten. Ich bestelle also freudig mein SUV-großes Popcorn. Plötzlich trifft mich eine Frage völlig unerwartet: »Salzig oder süß?«

Es ist eine Frage, die ich nicht einordnen kann. Ich kenne sie nicht. Woher kommt sie auf einmal? Ja, vom Verkäufer. Aber ich meine, woher kommt diese Frage wirklich? Schließlich war sie an ein Publikum angepasst, das inzwischen wohl zu Österreich gehört: Deutsche. Nicht mehr Ausnahme, sondern Selbstverständlichkeit. Auf die stellt man sich ein, ohne es Anpassung zu nennen. Keine Kampagnen in der Kronenzeitung über die Piefkesierung unseres Snackvergnügens. Kein Bundeskanzler, der einen Zehn-Punkte-Plan zur Integration von Deutschen präsentiert. Integration passiert hier einfach, ohne Forderungen.

Manche Deutsche würden einwenden, dass sie sehr wohl verspottet werden. Wegen der Sprache. Weil ihnen kein »Oachkatzlschwoaf« über die Lippen kommen will. Dass »scheiß Piefke« kein Relikt ist, sondern Realität. Und das stimmt. Aber dieser Spott haftet nicht, er entscheidet nichts. Er verwehrt keine Jobs, keine Wohnungen, kein Gesehenwerden.

Diese Leichtigkeit wirkt anders, wenn man weiß, wie sich Anpassung sonst anfühlt. Für mich als ehemaliges Flüchtlingskind mit Wurzeln, die von Georgien über die Türkei und den Iran bis nach Oberösterreich reichen, war und ist sie eine andere. Wir bleiben Zaungäste, die verwundert miterleben, wie das Oktoberfest ins Land einzieht und die Kaiserwiese in Anlehnung an das Münchner Vorbild zur Wiener Wiesn wird. Ohne Widerstand. Mit weißwurstartiger Wurstigkeit. Erstaunlich wie schnell Ablehnung weich wird. Und wie eine scheinbar harmlose Frage nach süß oder salzig einen bitteren Beigeschmack bekommt.

Diese Frage erzählt davon, wessen Anderssein Raum bekommt – und wessen als Zumutung gilt. Das Problem ist nicht, dass Deutsche willkommen sind. Das Problem ist, dass andere es nie so sein werden. Ganz egal wie mühelos sie »Oachkatzlschwoaf« aussprechen.

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