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Kommunikation

von Iuditha Balint

KRITIK & ZÄRTLICHKEIT #14 | Über Literatur über Arbeit, die Literatur über das Sprechen über Arbeit ist.

Noch vor zehn Jahren beklagte die Forschung, Arbeit spiele in der Literatur seit den 1990er-Jahren keine Rolle. Als Orientierungs- und Sehnsuchtspunkt galt dabei die Literatur der Arbeitswelt der Weimarer Republik und der 1950er- bis 70er-Jahre.

Fehlt tatsächlich die Arbeit in der Literatur? Oder ist die Frage eher: Was ist Arbeit und wie gestaltet sich das Erzählen von ihr? Hier drängt sich mir eine Beobachtung auf. Die von 1995 bis 2015 erschienene fiktionale Literatur beobachtete Arbeitswelten sehr genau, nur nicht die Arbeitsprozesse, sondern das Sprechen am Arbeitsplatz und über Arbeit. Sie parallelisierte die Intransparenz der Wirtschaft mit derjenigen der arbeitsweltlichen Kommunikation. So verfährt etwa Elfriede Jelineks Wirtschaftskomödie Kontrakte des Kaufmanns (2010, Uraufführung 2009) über die Finanzkrise 2008 und dubiose Bankgeschäfte. Auf die Instabilität und Unbegreiflichkeit der Wirtschaft antwortet sie mit einer überschüssigen Emphase auf der Bedeutung von Sprache, dekonstruiert die Kommunikation in der und über die Finanzsphäre und lässt sie gern einmal ins Leere laufen.

Ein weiteres Beispiel liefert Kathrin Rögglas Roman wir schlafen nicht (2004), der sprachgewaltig von der Arbeit in der Unternehmensberatung erzählt, also von einer hybriden Form von Arbeit, die auf Information, Wissen und Kommunikation basiert. Es steht aber nicht die Arbeit der Unternehmensberater:innen qua Kommunikation im Fokus, oder die Analyse von Geschäftsprozessen, Kostenoptimierung oder Change-Management. Dargestellt wird vielmehr die Kommunikation über Arbeit. Formal löst der Text das über Interviewsituationen, in denen etwa eine Managerin oder eine Praktikantin von ihrer Arbeit erzählen: von Konkurrenzen, Diskriminierungen, von sich selbst, von Wünschen und Ängsten, von Leistungsdruck und wenig Schlaf. Arbeit ist hier Kommunikation über Arbeit.

Anders in der Literatur seit den 2020er-Jahren: Die Verunsicherungen durch die Pandemie, Kriege, Klimawandel sowie andere Krisen und Katastrophen haben zur Betonung und Bevorzugung des Konkreten beigetragen: Arbeitsprozesse und auch der arbeitende Körper werden in die Literatur zurückgeholt. Aber davon ein andermal mehr.

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