Marie Zelda

Das Paradox der Sichtbarkeit

von Norma Schneider

Fotos: Nikita Karimov

Wie sieht queeres Leben in postsowjetischen Staaten aus? Kunstprojekte aus der Ukraine und Kirgistan erzählen von Pride und Sichtbarkeit, aber auch von homo- und transphober Gewalt.


3122 wörter
~13 minuten

So lange ich denken kann, fiel es mir schwer, mich als Mädchen oder Frau zu bezeichnen. Diese Wörter stehen für Merkmale und Anforderungen, mit denen ich mich einfach nicht identifizieren kann. Ich sehe Identität jetzt als ein Spektrum. Jeder Mensch hat zu viele Schattierungen und Nuancen, um mit wenigen Begriffen definiert zu werden. Man kann unmöglich wissen, wie jemand ist.« Margo ist eine der jungen Ukrainer:innen, die für das Kunstprojekt Genderprism ihre Geschichten erzählt haben. Die Online-Installation verbindet Texte, Fotografien und Musik zu acht berührenden Porträts.

Die Teilnehmer:innen verbindet die Erfahrung, anders zu sein, als es zu Hause, in der Schule oder bei der Arbeit erwartet wird. Sie passen nicht in strikte Vorstellungen von Zweigeschlechtlichkeit und Heterosexualität, sondern verstehen sich selbst als queer, nichtbinär, trans oder genderfluid. In ihren Geschichten geht es um die Suche nach der eigenen Identität und darum, wie es ist, nicht in vorgegebene Raster zu passen. Sie berichten, was ihnen Halt gegeben hat und wo sie Ablehnung erfahren haben. Da in der Ukraine, wie in den anderen postsowjetischen Staaten, Homophobie und Transphobie weit verbreitet sind, gehören Diskriminierung und Gewalt zu ihren Erfahrungen. 

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